17 January 2026, 13:37

123 Einwohner gründen Republik – und fordern Europas Grenzen heraus

Eine Karte von Europa aus dem 19. Jahrhundert, die politische Grenzen zeigt, mit Text oben und unten auf der Seite.

123 Einwohner gründen Republik – und fordern Europas Grenzen heraus

Ein winziges deutsches Dörfchen hat eine ungewöhnliche Unabhängigkeitserklärung abgegeben. Schwarzburg-Rudolstadt, Heimat von nur 123 Einwohnern, nennt sich seit drei Wochen Republik. Hinter diesem kühnen Schritt steckt ein politisches Experiment, das Europas Grenzen in Tausende Mikrostaaten umgestalten soll.

Das Projekt mit dem Kürzel SR wird von Dieter Drottner geleitet, einem 57-jährigen Betriebswirtschaftsabsolventen. Sein 13-köpfiges Team plant 3.459 eigenständige Mikroterritorien, sogenannte Tümer, zwischen den Städten Coburg und Weimar. Jedes davon soll als unabhängige Einheit funktionieren – mit eigenen Grenzen, Währungen und Lizenzregeln.

Drottner ist überzeugt, dass kleinere Staaten zu mehr Frieden führen. Sein Argument: Je mehr Aufteilung – ob bei Zöllen, Geld oder Verwaltung –, desto weniger Konflikte. Seine Vision geht über Deutschland hinaus: Selbst Grönland könnte seiner Meinung nach in Mikrostaaten zerfallen, wobei jede Straße zu einer eigenen Nation würde. Finanziert wird die Initiative aus verschiedenen Quellen, darunter nicht verwendete EU-Agrarsubventionen und Lotterieerlöse. Während Drottner behauptet, 13 der 27 EU-Mitgliedstaaten würden ähnliche Prinzipien der „Staatenverkleinerung“ testen, gibt es dafür keine offiziellen Belege. Sein Team trägt die Mikroterritorien derweil auf ein einziges Blatt Löschpapier ein.

Das Projekt knüpft an größere geopolitische Ambitionen der EU an. Die Erklärung Schwarzburg-Rudolstadts ist ein direkter, wenn auch unkonventioneller Ausdruck dieses Strebens. Doch welche langfristigen Folgen es haben wird, bleibt ungewiss.

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Das Experiment in Schwarzburg-Rudolstadt stellt herkömmliche Vorstellungen von Staatlichkeit infrage. Sollte es gelingen, könnte es ähnliche Bewegungen in ganz Europa inspirieren. Vorerst leben die 123 Dorfbewohner in ihrer selbsternannten Republik – ein winziges, aber vielsagendes Puzzleteil in einem weit größeren politischen Mosaik.