Angélica Liddells provokantes Seppuku: Ein Plädoyer für den Freitod als Selbstbestimmung
Berndt MitschkeAngélica Liddells provokantes Seppuku: Ein Plädoyer für den Freitod als Selbstbestimmung
Angélica Liddells neueste Inszenierung Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte am Donnerstag im Volkstheater Premiere. Die zweistündige Produktion erkundet das Leben und die Beweggründe jener, die sich für den Freitod entschieden haben. Den Höhepunkt bildet Liddells leidenschaftliches Plädoyer für den Suizid als Akt der Selbstbestimmung.
Die Aufführung umfasst eine Nachstellung des rituellen Selbstmords von Yukio Mishima – ein Thema, das der japanische Schriftsteller bereits 1966 in einem Kurzfilm inszenierte, bevor er sich 1970 selbst das Leben nahm. Liddell und eine Mitspielerin lassen auf der Bühne ihr eigenes Blut fließen und vermischen es, was einen beklemmenden Moment schafft. Daneben setzt die Inszenierung auf schwarzen Humor, etwa wenn ein sich selbst bewundernder Bodybuilder vor Bildern sich entkleidender junger Männer posiert.
Für die Produktion sammelte Liddells Ensemble Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke von Verstorbenen. Zwar verliert die Aufführung hin und wieder an Tempo, bleibt aber in ihrer Intensität packend. Liddell selbst erlebte am 7. Januar 2024 mit, wie sich eine Frau vom Madrids Gran Vía in den Tod stürzte – ein Ereignis, das die Arbeit tief prägte.
Die Produktion lotet die vielschichtigen Gründe hinter dem freiwilligen Tod aus. Mit eindringlichen Bildern und persönlichen Erfahrungen konfrontiert sie das Publikum unerbittlich mit ihren Themen. Die Premiere unterstreicht einmal mehr Liddells Ruf als provokante, kompromisslose Theatermacherin.






