Baden-Württembergs Zukunftswahl: Wirtschaftskrise und Verkehrspolitik im Fokus
Hilda Dussen vanBaden-Württembergs Zukunftswahl: Wirtschaftskrise und Verkehrspolitik im Fokus
Am 8. März wählt Baden-Württemberg ein neues Landesparlament. Die Abstimmung markiert das Ende von 15 Jahren unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – ein Führungswechsel ist damit sicher. Das Ergebnis wird die Weichen für zentrale Politikbereiche stellen, darunter Luftfahrt, Verkehr und die wirtschaftliche Erholung, während das Land mit steigender Arbeitslosigkeit und einer schrumpfenden Wirtschaft kämpft.
Die Wahl findet in einer wirtschaftlich schwierigen Phase statt. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,9 Prozent im Januar 2023 auf 4,8 Prozent im Januar 2026 – zwar unter dem Bundesdurchschnitt, doch ein Zeichen für die anhaltenden Probleme. Die Industrieproduktion sank 2024 um 2 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 0,4 Prozent. Die Automobilbranche, ein zentraler Wirtschaftszweig der Region, plant bis 2030 den Abbau von rund 14.000 Stellen, während die Zahl der offenen Stellen seit 2022 um 30 Prozent zurückging. Auch die Insolvenzen nahmen stark zu: 2024 wurden 2.445 Fälle verzeichnet – ein Anstieg um 30 Prozent, getrieben unter anderem durch die schwache Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.
Verkehrs- und Luftfahrtpolitik sind zu zentralen Wahlkampfthemen geworden. Während CDU, FDP und AfD auf auto- und luftfahrtfreundliche Maßnahmen setzen, priorisieren Grüne, SPD und Linke den Ausbau von Schiene und öffentlichem Nahverkehr. Der Flughafen Stuttgart, der größte des Landes, befindet sich zu 65 Prozent in Landes- und zu 35 Prozent in städtischem Besitz – seine Zukunft ist damit ein entscheidender Streitpunkt. Die FDP legt mit neun Forderungen das detaillierteste Luftfahrtkonzept vor, die Grünen beschränken sich auf Lärmschutz und verzichten auf eine umfassendere Strategie. Die SPD hebt sich als einzige Partei mit einem klaren landesweiten Luftfahrtplan hervor, der auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität bis 2040 abzielt.
Zu den Spitzenkandidaten zählen Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU), Andreas Stoch (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Markus Frohnmaier (AfD) sowie ein Trio aus gleichberechtigten Vorsitzenden der Linken. Umfragen deuten darauf hin, dass CDU und Grüne die wahrscheinlichsten Koalitionspartner sind – eine Konstellation, die die künftige Luftfahrtpolitik maßgeblich prägen würde.
Die Wahl wird zeigen, wie Baden-Württemberg seine wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Herausforderungen bewältigt. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, rückläufiger Industrieproduktion und tiefgreifender politischer Gräben muss die neue Regierung sowohl akute Krisen lösen als auch langfristige Strategien entwickeln. Die nach dem 8. März gebildete Koalition wird eine Schlüsselfunktion für die Zukunft des Landes einnehmen.
