Bamberger Grünen setzen auf Fränkisch für mehr Nähe zu den Wählern
Adriana HaufferGrüne Bambergs übersetzen Wahlprogramm ins Fränkische - Bamberger Grünen setzen auf Fränkisch für mehr Nähe zu den Wählern
Die Bamberger Grünen präsentieren Fernsehprogramm auf Fränkisch
Die Grünen in Bamberg haben ein Fernsehprogramm veröffentlicht, das vollständig im fränkischen Dialekt verfasst ist. Mit dieser ungewöhnlichen Initiative wollen sie politische Inhalte für die lokale Bevölkerung verständlicher und zugänglicher machen. Zwar ist der Dialekt in der Region fest verankert, doch in der offiziellen politischen Kommunikation wird er nur selten eingesetzt.
Das Programm enthält Vorschläge wie 'Balkong-Solaranloong' (Balkon-Solarmodule) und 'Foddovoldaig-Anloong' (Photovoltaikanlagen) für öffentliche Gebäude. Ein weiterer zentraler Punkt ist das 'Schwammschdoddbrindsieb' – das Prinzip der 'Schwammstadt' – zur Bewältigung von Hochwasserrisiken in urbanen Gebieten.
Die Co-Vorsitzende Michaela Reimann erläutert, dass die Übersetzung der politischen Ziele in den Dialekt den Wählerinnen und Wählern helfe, die Themen besser zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen. Die Partei plant zudem, 'modärns Dseuch' (moderne digitale Werkzeuge) einzusetzen, um Stadtratssitzungen per 'Indänedd' (Internet) zu übertragen.
Kritik übt das Programm an E-Scooter-Fahrern, die ihre Fahrzeuge 'einfach mitten auf dem Weg abstellen' – eine 'woora Blooch und a Gfrägg' (eine richtige Plage). Neben der dialektalen Fassung bietet die Partei Zusammenfassungen auf Englisch, Russisch, Arabisch, Türkisch und in Leichter Sprache an, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.
Begriffe wie 'Glimaschuds' (Klimaschutz), 'Mobbilidaäd' (Verkehrswende) und 'Sodsiools' (soziale Gerechtigkeit) ziehen sich durch das gesamte Dokument. Trotz dieses Vorstoßes gibt es keine Hinweise darauf, dass sich der Einsatz fränkischer Dialekte in der Politik in den letzten fünf Jahren auch in anderen deutschen Regionen durchgesetzt hätte.
Das fränkische Fernsehprogramm der Bamberger Grünen bleibt damit ein lokales Experiment, um die Wählerinnen und Wähler auf ungewöhnliche Weise anzusprechen. Der Ansatz verbindet regionale Sprachkultur mit mehrsprachiger Ausrichtung und setzt auf praxisnahe Politikvorschläge. Eine ähnliche Entwicklung über Franken hinaus ist bisher nicht zu beobachten.
