Berlin bestraft Unternehmen ohne Auszubildende – doch Startups protestieren
Adriana HaufferBerlin bestraft Unternehmen ohne Auszubildende – doch Startups protestieren
Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe ein, die Unternehmen bestraft, die ihre Ausbildungsziele verfehlen. Ab 2028 müssen Firmen mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft Auszubildende sind – andernfalls drohen finanzielle Konsequenzen. Die Maßnahme stößt bei Startup-Gründern auf Kritik, die argumentieren, dass die Regelung nicht zu ihren Geschäftsmodellen passe.
Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss die Abgabe, nachdem die Stadt ihre Ausbildungsziele verfehlt hatte. Ursprünglich sollten bis Ende 2023 2.000 neue Ausbildungsplätze geschaffen werden, doch nur 1.300 entstanden. Auch die aktuelle Ausbildungsquote Berlins liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent – ein weiterer Grund für die neue Regelung.
Unternehmen, die die Quote nicht erfüllen, müssen in einen zentralen Fonds einzahlen, der voraussichtlich jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen wird. Doch einige Wirtschaftsführer kritisieren, dass die Politik am eigentlichen Problem vorbeigehe. Agnieszka Walorska von Mika weist darauf hin, dass junge Menschen in Berlin kaum Interesse an klassischen Berufsausbildungen zeigten.
Die Kritik kommt von mehreren Gründern. Ralph Hage von Lap Coffee bezeichnet die Abgabe als falsches Signal, da sein Unternehmen auf Automatisierung und modernes Lernen setze statt auf traditionelle Ausbildungsmodelle. Moritz Kreppel von Urban Sports Club argumentiert, dass Startups wie seines keine Auszubildenden für Tätigkeiten bräuchten, die nicht zu ihren Abläufen passten. Marius Meiners von Peec AI ergänzt, dass die Arbeitsbelastung seines Teams die Einstellung von Azubis unpraktisch mache – selbst wenn das die Strafe bedeute.
Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und betrifft alle Berliner Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden. Wer sich nicht daran hält, zahlt in einen gemeinsamen Topf ein, der Ausbildungsplätze in der gesamten Stadt fördern soll. Ob die Maßnahme Erfolg hat, hängt davon ab, ob sie tatsächlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten schafft – oder lediglich die Kosten auf Unternehmen abwälzt, die ohnehin schon mit Personalengpässen kämpfen.






