Der Blumenwurf als Kunstprojekt
Blumenwurf als Kunstprojekt
Teaser: Die Szene sorgte bundesweit für Aufsehen: 2020 warf eine Linken-Politikerin dem mit AfD-Stimmen gewählten Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich Blumen entgegen. Zwei Künstler fanden darin Inspiration.
26. Oktober 2025, 07:02 Uhr
Schlagwort: Politik
Eine bemerkenswerte neue Ausstellung im Thüringer Landtag lädt Besucher ein, die Wurzeln öffentlicher Wut zu erkunden. Unter dem Titel „Ungeschminkt: Thüringen und sein Zorn“ ist die Schau noch bis zum 23. November 2025 zu sehen und basiert auf intensiven Gesprächen mit 83 Menschen aus der Region.
Das Projekt begann damit, dass die Künstler Jonas Becker und Stefan Petermann mit Anwohnern über das sprachen, was sie wirklich aufbringt. Dabei kamen überraschende Missstände ans Licht – ein Obdachloser etwa richtete seinen Ärger nicht gegen die Sozialhilfe, sondern gegen die niedrigen Löhne der Parkreinigungskräfte. Die Teilnehmer wurden zudem aufgefordert, echte oder künstliche Blumen auf Symbole ihres Unmuts zu werfen – eine Geste, die von einem Protest im Jahr 2020 inspiriert wurde, bei dem Blumen als Zeichen des Widerstands geworfen wurden.
Die Ausstellung untersucht, wie Wut konstruktiv kanalisiert werden kann, statt sie unausgesprochen brodeln zu lassen. Landtagspräsident Thadäus König (CDU) bezeichnete sie als Möglichkeit, Unzufriedenheit auszudrücken, bevor sie sich in stummen, ungelösten Frust verwandelt. Die Installation ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet, an Plenartagen jedoch geschlossen. Der Eintritt ist frei.
Die Schau bietet einen seltenen Einblick in die konkreten Frustrationen, die Thüringen heute prägen. Indem sie alltäglichen Ärgernissen eine Stimme verleiht, will sie dazu anregen, darüber nachzudenken, wie Zorn Veränderung bewirken kann. Die Ausstellung bleibt bis Ende 2025 für die Öffentlichkeit zugänglich.
