Deutsche Nationalbibliothek kämpft mit Platznot – Digitalisierung als Rettung?
Adriana HaufferKein Erweiterungsgebäude für die Deutsche Nationalbibliothek - Deutsche Nationalbibliothek kämpft mit Platznot – Digitalisierung als Rettung?
Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig geht der Platz aus – Kulturminister schlägt digitale Pflichtablieferung vor
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig steht vor einem akuten Platzmangel und muss Bestände nach Frankfurt auslagern. Nun hat Kulturminister Wolfram Weimer einen radikalen Vorschlag unterbreitet, um die Situation zu entspannen: die Umstellung des Pflichtablieferungssystems auf ein weitgehend digitales Format. Der Vorstoß erfolgt, nachdem Pläne für einen dringend benötigten Neubau verworfen wurden und der Bibliothek kaum noch Handlungsoptionen bleiben.
Seit Januar 2024 schreibt das deutsche Recht vor, dass Verlage zwei Exemplare jeder Veröffentlichung – eines zur Archivierung, eines als Ersatz – an die Deutsche Nationalbibliothek abliefern müssen. Betroffen sind sowohl physische als auch digitale Werke, was die tägliche Zugangsmenge der Bibliothek auf rund 13.100 neue Medien anschwellen lässt. Da die Lagerkapazitäten in Leipzig nahezu erschöpft sind, haben Mitarbeiter bereits begonnen, Bestände an den zweiten Standort in Frankfurt zu verlegen.
Der geplante Neubau in Leipzig, der langfristig Abhilfe schaffen sollte, wurde trotz sieben Millionen Euro Planungskosten gestrichen. Bibliothekssprecher kritisierten die Entscheidung scharf und warnten, dass der Platzmangel zu dauerhaften Problemen führen werde. Als Reaktion darauf treibt Weimer nun eine Gesetzesänderung voran, die die physische Ablieferungspflicht auf ein einziges Exemplar reduzieren soll – vorzugsweise in digitaler Form, wo immer dies möglich ist.
Ziel des Vorhabens ist es, das System zu modernisieren und gleichzeitig die akute Raumnot zu lindern. Die Bibliothek betont jedoch, dass selbst digitale Lösungen Investitionen in Infrastruktur und Personal erfordern werden.
Ohne den geplanten Neubau ist die Deutsche Nationalbibliothek nun auf alternative Maßnahmen angewiesen, um ihre überfüllten Magazine zu verwalten. Weimers Initiative für digitale Pflichtablieferungen könnte den physischen Platzbedarf verringern, doch auch dieser Wandel wird nicht ohne zusätzliche Mittel umsetzbar sein. Die Bibliothek archiviert weiterhin sämtliche deutschsprachigen Publikationen – doch wie effizient sie diese Aufgabe bewältigen kann, hängt nun von politischen Weichenstellungen und weiteren Ressourcen ab.