EZB reagiert mit Notfallplan auf explodierende Ölpreise durch Iran-Konflikt
Hilda Dussen vanEZB reagiert mit Notfallplan auf explodierende Ölpreise durch Iran-Konflikt
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich angesichts des Ölpreisanstiegs im Zuge des Iran-Konflikts neuen Herausforderungen gegenüber. Seit März 2026 sind die Rohölpreise um fast 60 Prozent explodiert – Brent notiert mittlerweile über 110 US-Dollar, WTI bei 102 Dollar. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat nun einen dreistufigen Plan vorgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen einzudämmen.
Der rasante Anstieg der Ölpreise entspricht weitgehend dem negativen Szenario der EZB, in dem die Inflation über 4 Prozent klettern und das Wachstum nahezu zum Erliegen kommen könnte. In diesem Fall würde die Wirtschaftsleistung bis Ende 2026 stagnieren, bevor sich eine langsame Erholung abzeichnet. Die Kerninflation bliebe davon jedoch weitgehend unberührt.
Lagardes Strategie setzt zunächst auf eine abwartende Haltung, falls der Energieschock gering und nur vorübergehend ausfällt. Als zweiten Schritt sieht sie schrittweise Anpassungen der Geldpolitik vor, sollte die Inflation das Ziel zwar überschreiten, aber nur vorübergehend erhöht bleiben. Ein entschlosseneres Eingreifen wäre erst dann nötig, wenn die Teuerung deutlich und dauerhaft vom Kurs abweicht.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane verglich den Entscheidungsprozess mit einem statistischen Modell, bei dem in jeder Sitzung neu abgewogen wird. Zwar sei der aktuelle Preisschub heftig, doch habe er noch nicht das worst-case-Szenario erreicht – also eine leichte Rezession mit einer Inflation von über 6 Prozent über mehr als zwei Jahre.
Die jüngsten Prognosen der EZB deuten auf einen schwierigen Balanceakt zwischen Zurückhaltung und Intervention hin. Stabilisieren sich die Ölpreise, könnten die Auswirkungen auf Inflation und Wachstum begrenzt bleiben. Eine weitere Zuspitzung der Lage würde die Notenbank jedoch zu entschlosseneren Maßnahmen zwingen, um langfristige wirtschaftliche Schäden abzuwenden.






