30 January 2026, 19:06

FDP in der Zwickmühle: Warum die Nähe zu Javier Milei die Partei spaltet

Ein Plakat mit einer farbcodierten Karte der argentinischen Provinzen Buenos Aires, das industrielle Bereiche hervorhebt und begleitenden Text enthält.

Die FDP und ihre seltsame Liebe zu Javier Milei - FDP in der Zwickmühle: Warum die Nähe zu Javier Milei die Partei spaltet

Die FDP gerät wegen ihrer Bewunderung für Argentiniens umstrittenen Präsidenten Javier Milei in die Kritik

Die Freie Demokratische Partei (FDP) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, weil sie den argentinischen Präsidenten Javier Milei zunehmend als Vorbild feiert. Zwar setzt sich die Partei für mutige Wirtschaftsreformen ein, doch ihre Zustimmung zu Mileis radikalen Maßnahmen droht Anhänger zu verprellen, die seine rechtspopulistische Gesellschaftspolitik und autoritären Tendenzen ablehnen. Die Annäherung an solche Figuren wirft Fragen über den politischen Kurs der FDP auf.

Javier Milei, der sich selbst als anarcho-kapitalistisch bezeichnet, übernahm im Dezember 2023 das Präsidentenamt in Argentinien. Sein Wahlkampf war geprägt von einer Kettensäge als Symbol für seinen Plan, den Staat "von innen zu zerstören" – durch drastische Kürzungen der Staatsausgaben und einen Rückzug des Staates aus der Wirtschaft. Bis Mitte 2025 hatte seine Regierung über 53.000 Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut, staatliche Bauprojekte gestoppt und Subventionen gestrichen. Diese Maßnahmen führten zum ersten ausgeglichenen Haushalt Argentiniens seit 2010 und zu einem deutlichen Rückgang der Inflation – von 300 auf etwa 30 Prozent.

Doch die wirtschaftlichen Erfolge haben einen hohen sozialen Preis. Die Armutsquote liegt mittlerweile bei über 50 Prozent, während die Reallöhne stagnieren. Mileis tief konservative Gesellschaftspolitik umfasst Einschränkungen bei Abtreibung und Verhütung sowie eine Ablehnung progressiver Geschlechter- und Familienbilder. Der politische Widerstand wächst: Seine Zustimmungswerte sanken 2025 auf 43 Prozent, doch bei den Midterm-Wahlen im Oktober 2025 sicherte sich seine Partei über 40 Prozent der Stimmen – und damit ein Vetorecht im Kongress.

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Die FDP-Führung lobt Mileis Vorgehen wiederholt. Parteichef Christian Dürr stellte Argentiniens wirtschaftliche Wende als Vorbild für Deutschland dar. Generalsekretärin Nicole Büttner ließ sich 2026 beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Milei fotografieren und würdigte seine Reformrede. Schon früher hatte der damalige FDP-Vorsitzende Christian Lindner Kritik auf sich gezogen, als er Milei und Elon Musk als Inspiration für die deutsche Wirtschaftspolitik nannte.

Doch die Nähe zu solchen Persönlichkeiten birgt Risiken. Zwar wirbt die FDP für tiefgreifende Reformen, doch die Verbindung zu Mileis polarisierender Politik könnte Wähler abschrecken, die zwar wirtschaftliche Liberalisierung befürworten, seine autoritären und gesellschaftlich rückwärtsgewandten Positionen aber ablehnen. Dieser Widerspruch gefährdet die Anziehungskraft der FDP – besonders bei denen, die wirtschaftliche Freiheit ohne rechtspopulistischen Ballast wollen.

Mileis Reformen haben zweifellos messbare Erfolge gebracht: einen ausgeglichenen Haushalt und sinkende Inflation. Doch der Preis sind steigende Armut und soziale Spannungen. Die FDP muss nun abwägen, ob ihre Allianz mit solchen kontroversen Figuren ihre eigene Reformagenda untergräbt – und ob sie es sich leisten kann, potenzielle Unterstützer zu verlieren, die mit Mileis politischem Gesamtpaket nicht einverstanden sind. Die Partei steht vor der Herausforderung, ihren Veränderungswillen mit den Risiken umstrittener Bündnisse in Einklang zu bringen.