Fünf neue Traditionen im deutschen Kulturerbe-Verzeichnis aufgenommen
Berndt MitschkeFünf neue Traditionen im deutschen Kulturerbe-Verzeichnis aufgenommen
Deutschland hat sein Bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes um fünf neue Traditionen erweitert. Die Neuzugänge wurden von der Kultusministerkonferenz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien bekannt gegeben. Damit zählen nun 168 Bräuche, Fertigkeiten und Ausdrucksformen zu den anerkannten Praktiken, die die lebendige kulturelle Identität des Landes prägen.
Die neu aufgenommenen Traditionen reichen von regionalen Bräuchen bis hin zu handwerklichen Künsten und spiegeln die Vielfalt des deutschen Kulturerbes wider. Vertreter der Behörden betonten, dass solche Traditionen besonders dann gedeihen, wenn Gemeinschaften sich aktiv an ihrer Bewahrung und Weiterentwicklung beteiligen.
Das Auswahlverfahren begann mit Vorschlägen, die vom Fachausschuss Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission geprüft wurden. Jeder Antrag durchlief eine eingehende Bewertung, bevor die endgültige Anerkennung erfolgte. Zu den fünf neu aufgenommenen Traditionen gehören die Bolzplatz-Kultur (Straßenfußball), das Herrenschneiderhandwerk (maßgeschneiderte Herrenkleidung), die Martinsumzüge im Rheinland, die Schaustellerkultur auf deutschen Volksfesten sowie der traditionelle kleinteilige Küstenfischfang in der Ostsee und den Boddengewässern.
Deutschland trat 2013 der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bei, die 2003 in Paris verabschiedet wurde und mittlerweile 185 Mitgliedstaaten zählt. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, wies darauf hin, dass immaterielles Kulturerbe dort blüht, wo Menschen Wissen austauschen und kulturelle Praktiken gemeinsam gestalten. Er beschrieb dies als einen dynamischen Prozess, der in der Mitwirkung der Gemeinschaft verwurzelt ist.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, bezeichnete das immaterielle Erbe als die "lebendige Wurzel" moderner kultureller Identität. Katharina Binz, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, ergänzte, dass Traditionen nur dann lebendig bleiben, wenn sie im Alltag der Menschen verankert sind. Das nationale Verzeichnis würdigt kulturelle Ausdrucksformen, die kreativ, inklusiv und stetig im Wandel begriffen sind.
Das Verzeichnis umfasst nun 173 anerkannte Kulturformen, die für ihre Bedeutung in ganz Deutschland stehen. Dazu zählen Handwerkstechniken, Feste und lokale Bräuche, die durch das Engagement der Gemeinschaften erhalten bleiben. Die Verantwortlichen betonten, wie wichtig es ist, dieses Erbe durch aktive Teilhabe und geteilte Verantwortung lebendig zu halten.






