Fußball-WM entfacht deutschen Patriotismus – zwischen Fahnenrausch und politischer Skepsis
Hilda Dussen vanFußball-WM entfacht deutschen Patriotismus – zwischen Fahnenrausch und politischer Skepsis
In Deutschland kommt nationaler Stolz oft besonders während großer Fußballturniere zum Vorschein. Die Weltmeisterschaft ruft dabei patriotische Bekundungen hervor, die im öffentlichen Leben sonst eher selten zu sehen sind. Doch die politische und kulturelle Elite des Landes steht offenen Nationalismusbekundungen seit Langem skeptisch gegenüber.
Vor einer Weltmeisterschaft schmückte mein jüngster Sohn den Familienwagen mit Deutschlandfahnen. Solche Begeisterung ist unter Fans üblich, wenn die Nationalmannschaft spielt – auch wenn sich mein eigenes Interesse am Fußball meist auf diese großen Ereignisse beschränkt.
Historisch betrachtet hat die deutsche politische Klasse starke nationale Rhetorik vermieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa nutzte Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“ nur selten. Viele im linksliberalen Spektrum bevorzugen eine eher kosmopolitische Identität gegenüber offen zur Schau gestelltem Patriotismus.
Eine Arte-Dokumentation argumentierte später, dass die patriotische Stimmung während der WM 2006 eine Rolle dabei spielte, nationale Symbole zu normalisieren. Der Film behauptete, der „positive Party-Patriotismus“ aus Fahnen und Transparenten habe Bewegungen wie Pegida und der AfD den Weg geebnet. Die These: Dieser Wandel machte Nationalismus gesellschaftlich akzeptabler.
Trotz der Vorbehalte mancher Eliten entfachen Fußballturniere weiterhin öffentliche Zeugen deutschen Stolzes. Die Debatte über Nationalismus bleibt komplex, und vergangene Ereignisse prägen noch immer, wie das Land mit seiner Identität umgeht. Fahnen an Autos und jubelnde Menschenmengen bleiben – wenn auch nur vorübergehend – sichtbare Ausdrucksformen des Patriotismus.






