Gerichtsurteil erschüttert Apotheken: Kooperation mit Online-Rezeptplattformen riskant
Adriana HaufferGerichtsurteil erschüttert Apotheken: Kooperation mit Online-Rezeptplattformen riskant
Ein aktuelles Gerichtsurteil hat Apotheken in Alarmbereitschaft versetzt, was ihre Zusammenarbeit mit Online-Rezeptplattformen betrifft. Das Landgericht Berlin II entschied, dass Apotheken mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie mit digitalen Diensten kooperieren, die gegen Werberegeln verstoßen. Die Entscheidung unterstreicht die wachsenden Bedenken hinsichtlich der unzulässigen Bewerbung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und medizinischen Produkten.
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die Plattform DoktorABC, der vorgeworfen wird, Medikamente für spezifische Erkrankungen illegal beworben zu haben. Das Gericht urteilte, dass Apotheken, die eine Mitverantwortung für solche Werbemaßnahmen tragen – selbst wenn sie die Plattformen nicht selbst betreiben –, rechtliche Schritte und möglicherweise den Entzug ihrer Betriebserlaubnis riskieren.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte zuvor klargestellt, dass Werbeverbote für alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel gelten, unabhängig davon, ob Einzelprodukte oder ganze Kategorien beworben werden. Die gängige Praxis, verschreibungspflichtige Medikamente, Lifestyle-Behandlungen oder medizinisches Cannabis zu bewerben, wurde demnach als weitgehend rechtswidrig nach den bestehenden Vorschriften eingestuft.
Der Apothekerverband Nordrhein (AKNR) warnte, dass Apotheken ihre Verbindungen zu Plattformen kappen müssten, die Patienten gezielt zu bestimmten Anbietern lenken. Solche Vereinbarungen untergraben das Prinzip der freien Apothekenwahl, einen Grundpfeiler des deutschen Gesundheitssystems. Der AKNR kündigte an, das Urteil zu prüfen und weitere rechtliche Schritte gegen illegale Geschäftsmodelle einzuleiten.
Apotheken sehen sich nun einer strengeren Kontrolle ihrer digitalen Partnerschaften gegenüber. Wer sich nicht deutlich von nicht konformen Plattformen distanziert, riskiert den Verlust der Betriebserlaubnis oder empfindliche Strafen. Das Urteil betont, dass sowohl Plattformen als auch Apotheken gemeinsam für rechtswidrige Werbepraktiken verantwortlich sind.






