Glasfaserausbau: Offener Netzzugang soll Wettbewerb in Deutschland stärken
Berndt MitschkeGlasfaserausbau: Offener Netzzugang soll Wettbewerb in Deutschland stärken
Offener Netzzugang rückt in den Fokus des Glasfaserausbaus in Deutschland
Mit fast 300 Anbietern, die neue Netze aufbauen, gewinnt die Forderung nach gemeinsamer Nutzung der Infrastruktur in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Ein Gesetzentwurf sieht nun strengere Regeln vor, um fairen Wettbewerb in Regionen mit nur einem Glasfaseranbieter zu gewährleisten.
Die Branche bewegt sich zunehmend in Richtung offener Netzzugangsmodelle. Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge planen, ihr Glasfasernetz bis 2030 oder 2031 für Drittanbieter zu öffnen. Deutsche GigaNetz hat bereits Vereinbarungen mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen, die ihre Dienste über die eigenen Leitungen anbieten dürfen. Auch Plusnet bereitet sich darauf vor, eigene Produkte auf Basis des OXG-Netzes auf den Markt zu bringen.
Um die Verbindung zwischen verschiedenen Betreibern zu erleichtern, hat die Branche S/PRI eingeführt – eine standardisierte Schnittstelle. Dieser technische Schritt soll es mehreren Anbietern ermöglichen, dieselben Glasfaserleitungen einfacher zu nutzen. Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass offener Netzzugang zwar höhere Anfangsinvestitionen erfordern könne, betonte jedoch, dass er entscheidend sei, um die Netzwerkauslastung zu maximieren.
Die Regulierungsbehörden beobachten die Entwicklungen genau. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert strengere Kontrollen für Fälle, in denen offener Netzzugang keinen fairen Wettbewerb ermöglicht. Der überarbeitete Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht nun eine Verhandlungspflicht für Regionen mit nur einem Glasfasernetz vor. Auch die Kundennachfrage treibt den Wandel voran: Frank Rosenberger von 1&1 Versatel wies darauf hin, dass 83 Prozent der Kunden die Möglichkeit wünschen, zwischen verschiedenen Anbietern wählen zu können.
Die Veränderungen spiegeln einen größeren Trend hin zu geteilter Glasfaserinfrastruktur in Deutschland wider. Betreiber, Regulierungsbehörden und Verbraucher setzen sich gleichermaßen für mehr Auswahl und Effizienz ein. Sollte der TKG-Entwurf verabschiedet werden, werden strengere Regeln in den kommenden Jahren bestimmen, wie Netze zugänglich gemacht und verwaltet werden.






