GTime zahlt seinem Editor 4.800 Euro – und löst damit eine Branchen-Debatte aus
Berndt MitschkeGTime zahlt seinem Editor 4.800 Euro – und löst damit eine Branchen-Debatte aus
Deutscher Twitch-Streamer GTime gewinnt rasant an Popularität – und ein großer Teil seines Erfolgs ist seinem engagierten Team zu verdanken. Hinter den Kulissen kümmert sich sein Editor Enno um alles, von der Aufbereitung der Streams für YouTube bis zum Management der Social-Media-Kanäle. Doch die Debatte über faire Bezahlung für Editoren in der deutschen Gaming-Szene bleibt hitzig, und branchenweite Standards sind nicht in Sicht.
GTimes Ansatz zur Vergütung seines Editors sticht dabei heraus. Enno erhält ein festes Monatsgehalt von 4.800 Euro brutto – plus die Hälfte der Einnahmen des YouTube-Kanals. Ein Modell, das Kritiker wie der Streamer gTasty als übermäßig großzügig bezeichnen. GTime kontert scharf: Menschen dürften nicht wie bloße Ressourcen behandelt werden, und Ennos Leidenschaft sowie harte Arbeit rechtfertigten die Bezahlung.
Das Problem der Unterbezahlung ist nicht neu. Der Streamer Papaplatte geriet in die Kritik, weil er seinen ehemaligen Editor zu schlecht bezahlte, räumte den Fehler später ein und entschädigte ihn nachträglich. Ein YouTuber bezeichnete die Kontroverse daraufhin als Symptom eines größeren Problems: Unklare Gehaltsstrukturen schadeten sowohl Creators als auch Editoren.
Trotz der Diskussionen mangelt es an verlässlichen Daten zur Vergütung von Editoren. Erfahrungsberichte von Plattformen wie Reddit oder Xing deuten darauf hin, dass freiberufliche Stundensätze zwischen 10 und 30 Euro liegen – mit kaum Anzeichen für nennenswertes Wachstum in den letzten fünf Jahren. Marktättigung und harter Konkurrenzdruck scheinen die Löhne auf niedrigem Niveau zu halten und viele Editoren in prekäre Verhältnisse zu drängen.
GTimes Bezahlmodell stellt die Branchenstandards infrage, doch das Fehlen einheitlicher Tarife lässt viele Editoren schutzlos zurück. Während einige Creator höhere Löhne als gerechte Anerkennung harter Arbeit verteidigen, argumentieren andere, der Markt könne eine solche Großzügigkeit nicht tragen. Der anhaltende Streit offenbart tiefere Spannungen in einer Szene, in der Lohntransparenz und Jobsecurity weiterhin ungelöst sind.
