Journalist:innen in Ostdeutschland kämpfen gegen wachsende Gewalt und Drohungen von Rechts
Adriana HaufferReporter ohne Grenzen verurteilt 'Feindseligkeit' im Osten - Journalist:innen in Ostdeutschland kämpfen gegen wachsende Gewalt und Drohungen von Rechts
Journalist:innen in Ostdeutschland sehen sich wachsender Bedrohung ausgesetzt – vor allem bei der Berichterstattung über rechtsextreme Gruppen. Viele von ihnen wurden in den vergangenen Jahren Opfer körperlicher Angriffe, gewalttätiger Einschüchterungen oder sogar Todesdrohungen. Die Gefahren haben ein solches Ausmaß erreicht, dass einige Reporter:innen mittlerweile nur noch mit Sicherheitsvorkehrungen über solche Ereignisse berichten.
Laut Reporter ohne Grenzen (ROG) gab es 2022 allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 15 bestätigte Angriffe auf Medienvertreter:innen. Mit neun Vorfällen verzeichnete Sachsen die zweitmeisten Attacken nach Berlin, wo es 20 gab. In Sachsen-Anhalt wurden fünf Übergriffe dokumentiert, in Thüringen ein Fall.
Eine Umfrage ergab, dass zwei Drittel der Journalist:innen in diesen Regionen bereits körperliche Gewalt erlebt oder Todesdrohungen erhalten haben. Viele beschreiben eine Atmosphäre 'extremer Feindseligkeit', sobald sie über rechtsextreme Kreise recherchieren. Zwei Reporter:innen wurden in Berlin angegriffen, nachdem sie über den Christopher Street Day in Bautzen berichtet hatten – ein Beispiel dafür, dass die Risiken nicht auf Ostdeutschland beschränkt sind.
Besonders gefährlich ist die Berichterstattung über rechtsextreme Veranstaltungen wie die wöchentlichen Montagsdemonstrationen. Viele Medienvertreter:innen sind mittlerweile auf privaten Sicherheitsdienst oder Polizeischutz angewiesen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Währenddessen ging die Staatsanwaltschaft im September gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Gruppe 'Deutsche Jugend voran' vor und durchsuchte acht Wohnungen. Dennoch bleibt unklar, wie viele dokumentierte Angriffe im Jahr 2023 explizit mit der Berichterstattung über rechtsextreme oder rechtspopulistische Gruppen zusammenhängen.
Die zunehmenden Bedrohungen zwingen Reporter:innen dazu, ihre Arbeitsweise bei der Berichterstattung über rechtsextreme Aktivitäten zu überdenken. Viele nehmen ohne Sicherheitskonzept keine Aufträge mehr an – mit der Folge, dass Lücken in der öffentlichen Berichterstattung entstehen. Ob die Angriffe 2023 weiter zugenommen haben oder ob sich die Risiken auf bestimmte Regionen konzentrieren, lässt sich anhand der offiziellen Zahlen bisher nicht abschließend sagen.
