Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker prägte Deutschlands Demokratie
Reingard FaustKretschmer: Habermas war 'wichtigster Denker unserer Zeit' - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker prägte Deutschlands Demokratie
Der renommierte deutsche Philosoph Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Sein Tod wurde am Samstag in Starnberg bestätigt, wo er seine letzten Jahre verbrachte. Politiker und Intellektuelle haben begonnen, Abschied von einem Denker zu nehmen, der die moderne demokratische Debatte maßgeblich geprägt hat.
Habermas entwickelte sich nach der Wiedervereinigung 1990 zu einer der einflussreichsten öffentlichen Stimmen Deutschlands. Er setzte sich für das Konzept des Verfassungspatriotismus ein und argumentierte, dass demokratische Werte – nicht Nationalismus – das Land einen sollten. Sein Widerstand gegen den aufkommenden konservativen Nationalismus und seine Kritik an der Abschaffung des Asylrechts nach rechtsextremer Gewalt lenkten die politische Diskussion in Richtung einer inklusiveren, europäisch ausgerichteten Identität.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte Habermas als prägende Stimme des demokratischen Diskurses. In seiner Trauerbekundung betonte Kretschmer das lebenslange Engagement des Philosophen für offene Debatten, gesellschaftliche Teilhabe und die Verteidigung der Demokratie. Diese Prinzipien, so Kretschmer, seien zentral für Habermas' Rolle als führender Intellektueller im wiedervereinigten Deutschland gewesen.
Habermas hinterlässt ein Erbe strengen demokratischen Denkens und öffentlicher Auseinandersetzung. Seine Ideen zu Verfassungspatriotismus und europäischer Solidarität prägten Generationen von Politikern, Wissenschaftlern und Bürgern. Die Wirkung seines Werkes wird die Debatten über Demokratie und Identität in Deutschland und darüber hinaus weiterhin bestimmen.