Kahla Porzellan meldet erneut Insolvenz – Tradition in Thüringen wackelt
Berndt MitschkeTraditionelle Porzellanmanufaktur in Kahla erneut insolvent - Kahla Porzellan meldet erneut Insolvenz – Tradition in Thüringen wackelt
Kahla/Thüringer Porzellan GmbH, ein Traditionsunternehmen mit über 170 Jahren Geschichte, hat erneut Insolvenz angemeldet. Als Gründe nannte das Porzellanwerk schwache Umsätze im Gastronomiebereich und anhaltende finanzielle Belastungen. Dennoch läuft die Produktion vorerst weiter.
Das Insolvenzverfahren wurde offiziell am 2. März in Thüringen eingeleitet – nur zwei Tage, nachdem sich die Konflikte im Iran zugespitzt hatten. Die ohnehin schon hohen Energiekosten verschärften sich durch die Eskalation weiter und setzten die energieintensive Porzellanbranche zusätzlich unter Druck. Bereits 2020 hatte das Unternehmen Insolvenz beantragt und seitdem die Belegschaft von einst rund 250 auf 120 Mitarbeiter reduziert.
Seit 2020 mussten mindestens fünf weitere deutsche Porzellanhersteller ähnliche Schicksale hinnehmen: Schönwald (Selb) meldete 2021 Insolvenz an, Heinrich (Selb) 2022 und die Sächsische Porzellan-Manufaktur (Hohenleuben) 2023. Gemeinsame Herausforderungen waren explodierende Energiepreise, durch den Ukraine-Krieg unterbrochene Lieferketten und rückläufige Exportnachfrage.
Aktuell erfüllt Kahla weiterhin Aufträge und liefert Ware aus. Der Insolvenzverwalter Thomas Jacobs hat das Ziel ausgegeben, das Unternehmen zu sanieren und den Standort langfristig zu sichern. Die verbleibenden 120 Beschäftigten sind vorerst durch Insolvenzgeld abgesichert.
Ob Kahla überlebt, hängt nun von den Restrukturierungsbemühungen unter Jacobs' Führung ab. Gelingt der Turnaround, könnte das Unternehmen seine lange Tradition in der Thüringer Porzellanbranche bewahren. Das Ergebnis wird auch zeigen, wie es um die Zukunft deutscher Traditionsbetriebe in einem zunehmend schwierigen Wirtschaftsumfeld bestellt ist.
