Kontroverse vor Buchenwald-Gedenken: Initiative und Minister polarisieren Überlebende
Berndt MitschkeKontroverse vor Buchenwald-Gedenken: Initiative und Minister polarisieren Überlebende
Initiative "Kufijas in Buchenwald" löst vor Gedenkfeier Kontroversen aus
Eine neue Initiative mit dem Namen Kufijas in Buchenwald hat kurz vor der jährlichen Befreiungsfeier des ehemaligen Konzentrationslagers für Aufsehen gesorgt. Die Gruppe nutzt die Veranstaltung, um Israel zu kritisieren und über das zu diskutieren, was sie als "Völkermord in Gaza" bezeichnet. Gleichzeitig sieht sich Kulturminister Wolfram Weimer wegen früherer Äußerungen mit Forderungen konfrontiert, sich von der Gedenkveranstaltung zurückzuziehen.
Die Auseinandersetzung kommt zu einer Zeit, in der die Zahl der Überlebenden von Buchenwald immer weiter schrumpft – und damit die Debatten darüber intensiver werden, wie die Geschichte des Lagers bewahrt werden soll.
Die Initiative Kufijas in Buchenwald hat scharfe Kritik auf sich gezogen, weil sie Israel als "völkermordenden Staat" darstellt. In einem Interview mit der Jungen Welt wiederholte ein Sprecher der Gruppe diese Behauptung und verband die Erinnerung an Buchenwald direkt mit aktuellen politischen Konflikten. Katinka Poensgen, Vertreterin der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, distanzierte sich öffentlich von der Initiative und betonte stattdessen, es gelte, die letzten noch lebenden Überlebenden zu schützen.
Auch Weimers Teilnahme an der Gedenkfeier am 11. April ist umstritten. Zwei Überlebendenverbände forderten ihn auf, fernzubleiben, und verwiesen dabei auf frühere Aussagen des Ministers. Darunter war ein Bezug auf Heinrich Heines sarkastische Bemerkung, ein christlicher Taufschein sei ein "Eintrittsbillet zur europäischen Kultur" – eine Äußerung, die Weimer scheinbar ohne Ironie aufgriff. Trotz der Kritik wird Weimer an der Veranstaltung teilnehmen, hat aber signalisiert, dass er in seiner Rede jüdische Perspektiven nicht ausklammern werde.
Im Mittelpunkt der weiteren Debatte steht nun die Frage, ob Jüdinnen und Juden in der Erinnerungskultur Buchenwalds noch einen Platz haben. Naftali Fürst, der als Zwölfjähriger auf einem Todesmarsch von Auschwitz nach Buchenwald getrieben wurde und heute in Israel lebt, ist einer der letzten Überlebenden. Seine Geschichte – wie die vieler anderer – droht in den Hintergrund zu geraten, während verschiedene Gruppen um die Deutungshoheit über die Lagergeschichte ringen.
Angesichts der immer weniger werdenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird der Kampf um das Erbe Buchenwalds drängender. Die Frage geht dabei über das Lager hinaus: Werden jüdische Stimmen in der künftigen Erinnerungskultur überhaupt noch gehört?
Die Gedenkveranstaltung am 11. April findet unter erhöhter Spannung statt. Überlebendenverbände haben deutlich gemacht, dass sie sowohl die Initiative Kufijas in Buchenwald als auch Weimers Beteiligung ablehnen. Während die letzten Zeugen sterben, zeigt sich kein Ende des Streits um die Erinnerung an Buchenwald – und die Rolle der Jüdinnen und Juden darin.






