Lange Wartezeiten beim Hausarzt: Warum Patienten in Deutschland verzweifeln
Berndt MitschkeEin Drittel der Versicherten unzufrieden mit der Wartezeit für Facharzttermine - Lange Wartezeiten beim Hausarzt: Warum Patienten in Deutschland verzweifeln
Patienten in Deutschland müssen weiterhin lange auf Arzttermine warten – viele erhalten nur schwer zeitnah eine Behandlung. Eine aktuelle Umfrage zeigt ein gespaltenes Meinungsbild: Während einige die Wartezeiten für akzeptabel halten, fordern andere bessere Zugangswege. Zwar wächst der Ruf nach digitalen Lösungen, doch die meisten greifen nach wie vor auf klassische Buchungsmethoden zurück.
Eine aktuelle Studie belegt, dass jeder vierte Patient mehr als drei Tage auf einen Termin beim Hausarzt in der Nähe wartet. Weitere 25 Prozent erscheinen einfach ohne Voranmeldung. Bei Fachärzten sind die Verzögerungen noch gravierender: 25 Prozent warten länger als einen Monat, 10 Prozent sogar mehr als drei Monate. Trotzdem zeigen sich 51 Prozent mit den Wartezeiten beim Hausarzt zufrieden, 35 Prozent empfinden sie als erträglich.
Die Mehrheit bucht Termine noch immer auf herkömmliche Weise: 59 Prozent kontaktieren Hausärzte per Telefon oder persönlich, 65 Prozent gehen bei Fachärzten genauso vor. Nur 14 Prozent äußern offene Unzufriedenheit mit den Wartezeiten beim Hausarzt. Doch der Druck auf Veränderungen wächst. Mittlerweile hält die Hälfte der Befragten Online- oder App-basierte Buchungssysteme für sehr wichtig – 2022 waren es erst 31 Prozent.
Eugen Brysch, Patientenbeauftragter, fordert, dass Arztpraxen mindestens 25 Stunden pro Woche für Telefon-, Fax- und E-Mail-Anfragen bereitstellen müssen – besonders für ältere Patienten, die mit digitalen Tools Schwierigkeiten haben. Der GKV-Spitzenverband schlägt hingegen ein Echtzeit-Onlineportal vor, über das Praxen eine festgelegte Anzahl an Terminen vorhalten müssten. Bisher setzt sich jedoch keine Gruppe für ein verbindliches System ein, das alle Praxen zur Umsetzung verpflichten würde. Im gesetzlichen Gesundheitssystem kritisieren 30 Prozent der Versicherten, dass die Wartezeiten bei Fachärzten zu lang oder viel zu lang seien.
Die Umfrage offenbart eine klare Spaltung: Während viele die aktuellen Wartezeiten hinnehmen, wächst die Gruppe, die schnellere, digitale Lösungen verlangt. Traditionelle Buchungswege dominieren zwar noch, doch der Druck auf die Praxen, sich zu modernisieren, wird größer. Ohne verbindliche Vorgaben könnte sich der Fortschritt für Patienten, die rascheren Zugang zu medizinischer Versorgung suchen, jedoch weiter verzögern.
