Marodes Schienennetz in NRW: Warum Pendler monatelang mit Verspätungen kämpfen müssen
Berndt MitschkeMarodes Schienennetz in NRW: Warum Pendler monatelang mit Verspätungen kämpfen müssen
Deutschlands Schienennetz steht unter wachsendem Druck, denn marode Infrastruktur und steigende Nachfrage führen zu flächendeckenden Verspätungen. Besonders betroffen sind Fahrgäste in Nordrhein-Westfalen (NRW), wo Bauarbeiten und überlastete Strecken für anhaltende Reisebehinderungen sorgen. Kritiker fragen sich inzwischen, ob genug unternommen wird, um die Probleme zu lösen.
Die jüngsten Schwierigkeiten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Deutsche Bahn (DB) einräumt, dass Teile ihres Netzes überlastet sind. Allein in NRW werden derzeit zehn wichtige Eisenbahnkorridore modernisiert, acht weitere sollen in naher Zukunft folgen. Dennoch bezeichnet NRWs Verkehrsminister Oliver Krischer das Schienennetz des Landes als das schlechteste Deutschlands.
Fahrgäste auf der Strecke Köln–Hagen spüren die Auswirkungen besonders deutlich: Wegen Bauarbeiten am Bahnhof Wuppertal-Barmen bleibt die Strecke bis zum Sommer gesperrt, Reisende sind auf Ersatzbusse angewiesen. Hinzu kommt, dass ein Mangel an Abnahmeprüfern dazu führt, dass neu sanierte Abschnitte später als geplant wiedereröffnet werden – die Behinderungen ziehen sich damit weiter hin.
Experten machen für die Krise Jahre der Unterinvestitionen und das Versäumnis verantwortlich, das Netz entsprechend des wachsenden Zugaufkommens auszubauen. Der Bundesrechnungshof kritisierte kürzlich sowohl die Bahn als auch die Bundesregierung dafür, diese langjährigen Probleme nicht angepackt zu haben. Während einige vorschlagen, Regionalverbindungen zu streichen, um die Belastung zu verringern, lehnt die DB dies ab und betont, dass sie keine Fahrpläne kürzen werde.
Laut Bahn stammen 80 Prozent der Verspätungen aus Infrastrukturproblemen – doch der Bahnexperte Christian Böttger widerspricht dieser Darstellung. Sein Argument: Das eigentliche Problem liege in einem Netz, das mit der Nachfrage nicht Schritt gehalten habe, sodass Züge und Fahrgäste in einem Teufelskreis aus Überlastung und Verspätungen gefangen seien.
Die anhaltenden Probleme zeigen das Ausmaß der Herausforderungen für das deutsche Schienennetz. Da NRWs Strecken bereits jetzt an ihre Grenzen stoßen und weitere Baustellen geplant sind, müssen sich Pendler auf monatelange Einschränkungen einstellen. Ob die Sanierungsbemühungen der Bahn nachhaltige Verbesserungen bringen, bleibt abzuwarten – für Fahrgäste und Verantwortliche gleichermaßen.






