Merz warnt: Deutschland ist nicht verteidigungsfähig – trotz Rekordmilitäretat
Adriana HaufferMerz warnt: Deutschland ist nicht verteidigungsfähig – trotz Rekordmilitäretat
Bundeskanzler Friedrich Merz hat gewarnt, dass Deutschland derzeit nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen. In einer schonungslosen Bestandsaufnahme bezeichnete er die Schwächen des Landes als weitgehend selbstverschuldet. Seine Äußerungen fielen in eine Zeit, in der die Militärausgaben auf ein seit dem Kalten Krieg nicht mehr gesehenes Niveau gestiegen sind.
In einer Rede vor dem Bundestag im Jahr 2024 betonte Merz, dass Deutschlands Stärke im Ausland davon abhängt, die Probleme im eigenen Land zu lösen. Er argumentierte, dass wirtschaftliche Stabilität und Arbeitsplatzsicherheit heute die nationale Macht definieren. Der bewusst gewählte Ausdruck "verteidigungsfähig werden" unterstreicht seine Überzeugung, dass das Land noch nicht bereit ist, sich selbst zu schützen.
Seit dieser Erklärung haben sich die Verteidigungsausgaben verdreifacht. Der Haushalt für 2026 beläuft sich auf über 108 Milliarden Euro, darunter 82,69 Milliarden für die regulären Ausgaben und 25,51 Milliarden aus einem Sondervermögen. Fast die Hälfte – 48 Milliarden – fließt in die Beschaffung, wobei 15 Milliarden für Munition, Drohnen und Luftabwehr vorgesehen sind. Zudem wurde ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bewilligt, die größte Militärinvestition seit den 1980er-Jahren.
Die Reformen folgten zügig. Ein modernes Modell der freiwilligen Wehrdienstleistung wurde eingeführt, mit der Option einer Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht bei Bedarf. Gespräche über die nukleare Teilhabe mit Großbritannien und Frankreich begannen, während Pläne zur Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht an Fahrt gewannen. Bis 2029 sollen die Verteidigungsausgaben auf 152 Milliarden Euro steigen.
Merz hat die Stärkung der Landesverteidigung zur obersten Priorität der Regierung erklärt. Die rasche Ausweitung der Militäretats und die strukturellen Reformen markieren einen grundlegenden Politikwechsel. Ob diese Maßnahmen die bestehenden Fähigkeitslücken schließen werden, bleibt abzuwarten.






