Nitrendipin-Mangel hält an: Patienten kämpfen um lebenswichtige Blutdruckmedikamente
Berndt MitschkeNitrendipin-Mangel hält an: Patienten kämpfen um lebenswichtige Blutdruckmedikamente
Patienten leiden unter anhaltendem Nitrendipin-Mangel
Seit dem vergangenen Sommer kämpfen Patienten, die auf Nitrendipin – ein gängiges Blutdruckmedikament – angewiesen sind, mit anhaltenden Lieferengpässen. Das Präparat, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf der Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten in Deutschland geführt wird, ist sowohl in der 10-Milligramm- als auch in der 20-Milligramm-Dosierung nur schwer erhältlich. Mehrere Hersteller haben Verzögerungen bestätigt, sodass viele Betroffene ihren verordneten Wirkstoff nicht wie vorgesehen erhalten.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Nifedipin-ähnlichen Kalziumkanalblocker, einer Klasse von Medikamenten, die durch die Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen wirken. Dadurch bleiben die Arterien entspannt und der Blutdruck bleibt stabil. Diese Wirkstoffe sind jedoch nicht für Patienten mit Herzinsuffizienz oder solche geeignet, die sich von einem kürzlichen Herzinfarkt erholen.
Vier deutsche Hersteller – Aristo, Ratiopharm, Aliud Pharma und AbZ – melden Produktionsprobleme, die die Nitrendipin-Versorgung beeinträchtigen. Die 20-Milligramm-Tabletten von Aristo bleiben voraussichtlich mindestens bis Ende 2023 knapp. Ratiopharm und Aliud Pharma rechnen damit, die Lieferungen der 20-Milligramm-Dosis bis Ende März wiederaufnehmen zu können, während AbZ eine Wiederverfügbarkeit erst bis Ende Mai erwartet.
Auch die 10-Milligramm-Variante ist betroffen: Ratiopharm und Aliud Pharma gehen von einer Verfügbarkeit erst ab Ende März aus, bei Aliud könnten die 10-Milligramm-Tabletten sogar erst Mitte April wieder lieferbar sein. In der Folge greifen Ärzte zunehmend auf Alternativen wie Amlodipin oder Lercanidipin zurück, um die Behandlung ihrer Patienten sicherzustellen.
Die Engpässe verdeutlichen grundsätzliche Probleme in der Lieferkette, von denen insbesondere ältere Medikamente betroffen sind – darunter auch weitverbreitete Kalziumkanalblocker. Während die Hersteller daran arbeiten, die Produktionsverzögerungen zu beheben, müssen Patienten und Behandler vorerst mit eingeschränkten Optionen auskommen.
Die anhaltende Knappheit zwingt Betroffene und Ärzte zur Umstellung auf Ersatzpräparate. Da sich die Versorgung voraussichtlich erst Mitte 2024 vollständig normalisieren wird, müssen sich abhängige Patienten weiterhin auf Einschränkungen einstellen. Die Situation zeigt zudem die herausfordernde Lage bei der stabilen Produktion lang etablierter Arzneimittel auf.
