Opernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle – und verlieren ihre Seele
Adriana HaufferOpernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle – und verlieren ihre Seele
Große Opernhäuser verändern ihre Präsenz in den sozialen Medien. Statt den Fokus auf die Kunst zu legen, setzen viele nun auf Lifestyle-Inhalte, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Diese Entwicklung verwandelt die Oper in bloße Unterhaltung – statt in einen Ort der Reflexion oder Debatte.
Das Instagram-Profil der Wiener Staatsoper zeigt Hemma und Jakob, die das Haus wie einen Spielplatz oder ein Restaurant behandeln. Sie bieten Tutorials an – von der Bestellung am Pausenbuffet über Dresscodes bis hin zu Benimmregeln für Erstbesucher.
Ähnlich geht die Festspielhaus Baden-Baden vor: Hier werben die Gastgeber mit „Klassik und Spritz“ oder „Sundowner und DJ auf der After-Show-Terrasse“ – ein etwas bemühter Versuch, hip zu wirken. Auch der Influencer Opera Bert taucht in den Feeds mehrerer Opernhäuser auf und setzt auf Humor, um die Oper lässiger erscheinen zu lassen.
In Berlin wirkt der Instagram-Auftritt der Staatsoper dagegen oft wie eine Werbeplattform für Sponsoren wie BMW. Die Inhalte vermitteln häufig das Bild einer verstaubten Kunstform statt einer innovativen. Eine Ausnahme bildet die Bayerische Staatsoper: Sie konzentriert sich auf die Musik selbst und teilt Gespräche mit Künstlern und Dirigenten über das Genre.
Zunehmend wird Oper als Wohlfühl-Erlebnis mit Drinks und leichter Unterhaltung vermarktet. Die provokanten und zum Nachdenken anregenden Aspekte der Kunstform treten dabei in den Hintergrund – zugunsten eines oberflächlichen, konsumfreundlichen Images. So schrumpft die Oper zur bloßen Lifestyle-Kulisse, statt ein Raum für kulturelle Auseinandersetzung zu bleiben.
