Print-Aus der OTZ in Greiz: Wie ein Medienexperiment Dörfer spaltet
Adriana HaufferPrint-Aus der OTZ in Greiz: Wie ein Medienexperiment Dörfer spaltet
Im Frühling 2023 stellte die Ostthüringer Zeitung (OTZ) die Zustellung ihrer Printausgabe in elf Dörfern der Region Greiz ein. Der Schritt des Verlags Funke Mediengruppe sollte digitale Abonnements fördern, stieß bei vielen Anwohnern jedoch auf Frust. Fast ein Jahr später prägt der Beschluss weiterhin das lokale Medienangebot und das Gemeinschaftsleben.
Die Funke Mediengruppe erklärte das Gebiet um Greiz zur "Modellregion für die Digitalisierung ländlicher Räume". Als Hauptgrund für das Ende der Printausgabe nannte das Unternehmen die hohen Zustellkosten im dünn besiedelten Vogtland. Vor der Umstellung hatte die OTZ in der Testzone etwa 300 Abonnenten. Nach dem Wechsel kündigten 47 Prozent ihre Abos – ein spürbarer Verlust für den Verlag.
Die Umstellung erfolgte überstürzt. Funke räumte später ein, dass acht Wochen Vorbereitungszeit zu kurz gewesen seien, um den Wandel reibungslos zu gestalten. Die Bewohner reagierten verärgert und fühlten sich von einem Service im Stich gelassen, auf den sie sich verlassen hatten. Das Experiment zog bundesweite Aufmerksamkeit auf sich, da es als Testfall für die Verlagerung ländlicher Leserschaften von Print zu Digital galt.
Das Ausbleiben der Zeitung traf Dörfer, die ohnehin mit schrumpfender Infrastruktur kämpften. Viele sahen darin ein weiteres Zeichen, abgehängt zu werden. Als Reaktion sprangen kostenlose Anzeigenblätter und parteiische Medien in die Bresche – darunter eine Online-Plattform, die von lokalen AfD-Politikern ins Leben gerufen wurde. Gleichzeitig forderten Anwohner mehr tiefgründige Berichterstattung, bessere Recherche und eine größere Vielfalt an Perspektiven zu regionalen Themen.
Um Journalisten in dieser Situation zu unterstützen, richtete das Netzwerk Recherche einen "Servicepunkt für Lokaljournalismus" ein. Die Initiative bietet Hilfe bei Recherchetechniken, praktischen Problemen und ethischen Fragen. Ziel ist es, das Know-how des Netzwerks direkt an lokale Reporter weiterzugeben.
Der Fall Greiz zeigt, wie der abrupte Abschied vom Print die ländliche Gemeinschaft erschüttern kann. Kostenlose Alternativen und politische Medien haben die Lücke gefüllt, die die OTZ hinterlassen hat, während die Bewohner bessere lokale Berichterstattung einfordern. Mit dem gezielten Unterstützungsangebot des Netzwerks Recherche könnten Journalisten in der Region nun besser gerüstet sein, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.






