Protestwelle in NRW: Tausende fordern Schutz vor digitaler Gewalt und Sexismus
Hilda Dussen vanProtestwelle in NRW: Tausende fordern Schutz vor digitaler Gewalt und Sexismus
Eine Welle von Protesten hat Nordrhein-Westfalen erfasst – ausgelöst durch eine Der-Spiegel-Untersuchung zu digitaler Gewalt. Der im März 2026 veröffentlichte Bericht enthüllte Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen. Seither wächst die öffentliche Empörung, und das Thema geschlechtsspezifische Gewalt rückt erneut in den Fokus.
Am Wochenende kam es zu Kundgebungen in Köln und Bonn. Am Samstag demonstrierten in Köln über 5.000 Menschen für strengere Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Einen Tag später versammelten sich Hunderte auf dem Bonner Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem parteiübergreifenden Bündnis, dem Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und Volt angehören.
Bei der Bonner Demonstration übt Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in NRW, scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wegen dessen Äußerungen zum Thema. Achtermeyers Forderung nach schärferen Gesetzen zum Schutz von Frauen erntete lauten Beifall. Auch CDU-Politikerinnen der Frauen-Union sprachen sich für bessere rechtliche Absicherungen aus, stießen jedoch auf verhaltenere Reaktionen.
Alle Rednerinnen und Redner betonten die Verantwortung von Männern, sich gegen frauenfeindliche Haltungen und digitale Gewalt zu stellen. Die Proteste zeigten, wie tief das Thema besonders im Rheinland verankert ist.
Die öffentliche Empörung folgt auf die Ankündigung von Justizministerin Stefanie Hubig, die Erstellung und Verbreitung von nicht einvernehmlich erstellten Deepfake-Pornografien unter Strafe zu stellen. Bisher wurden Fälle digitaler Gewalt oft nicht klar rechtlich eingeordnet und von der Polizei nicht gesondert erfasst.
Die Demonstrationen in Köln und Bonn erhöhen den Druck auf die Politik, Lücken im rechtlichen Schutz zu schließen. Hubigs Reformvorschläge zielen darauf ab, Schlupflöcher bei digitaler Gewalt zu stopfen. Gleichzeitig signalisieren die Proteste eine wachsende öffentliche Nachfrage nach konkreten Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Übergriffe.






