23 December 2025, 22:18

Prozess gegen Neo-Nazis: Ein skandalöser Urteilsspruch soll korrigiert werden

Eine Waffe liegt auf einem Buch mit Papieren, auf denen Text steht.

Prozess gegen Neo-Nazis: Ein skandalöser Urteilsspruch soll korrigiert werden

Neuverhandlung im Fall Fretterode: Prozess um brutalen Angriff auf Journalisten 2018 beginnt von Neuem

Vor dem Landgericht Mühlhausen hat die Neuverhandlung im Fall Fretterode begonnen, bei dem zwei Journalisten 2018 bei der Recherche zu einem mutmaßlichen Neonazi-Treffen Opfer einer schweren Gewalttat wurden. Das Gericht prüft den Fall erneut, nachdem die ursprünglichen Freisprüche auf massive Kritik stießen und der Bundesgerichtshof eine neue Verhandlung anordnete.

Der Angriff ereignete sich 2018, als die Reporter mit einem Messer, einem Baseballschläger, Pfefferspray und einem Traktorschlüssel malträtiert wurden. Zu den Angeklagten zählen Gianluca K., ein enger Vertrauter des rechtsextremen Aktivisten Thorsten Heise, sowie Nordulf H., der nun vom Anwalt Wolfram Nahrath vertreten wird. Trotz der Schwere der Tat endete der erste Prozess mit Freisprüchen – ein Urteil, das öffentliche Empörung auslöste und rechtlich angefochten wurde.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später wegen Rechtsfehlern auf. Zum Auftakt der Neuverhandlung schweigen die Angeklagten jedoch und verweigern jede Aussage. Das Gericht wies unterdessen die Behauptung zurück, Gianluca K. sei gefährdet, und gab bekannt, dass dieser inzwischen umgezogen und verheiratet sei. Seine Verteidigerin Nicole Schneiders bestand dennoch auf der Geheimhaltung seiner Adresse. Die Verhandlung wird am 12. Januar fortgesetzt, wenn die verletzten Journalisten als Zeugen aussagen sollen. Bis Mai 2026 sind sieben weitere Termine angesetzt.

Sven Adam, der einen der Opfer vertritt, bezeichnete das ursprüngliche Urteil als ein „Schandurteil“ und forderte das Gericht auf, den neonazistischen Hintergrund der Tat anzuerkennen.

Die Neuaufnahme des Verfahrens folgt auf jahrelange juristische Auseinandersetzungen und eine öffentliche Debatte über die umstrittenen Freisprüche. Nun muss das Gericht klären, ob der Angriff von rechtsextremer Gesinnung motiviert war. Das Ergebnis könnte richtungsweisend für die Behandlung ähnlicher Fälle in der Zukunft sein.

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