Prozess gegen Neo-Nazis: Ein skandalöses Urteil soll korrigiert werden
Berndt MitschkeProzess gegen Neo-Nazis: Ein skandalöses Urteil soll korrigiert werden
In Thüringen hat ein neuer Prozess gegen zwei rechtsextreme Gewalttäter begonnen, die vor über sieben Jahren zwei Journalisten brutal angegriffen haben sollen. Der als Angriff von Fretterode bekannte Fall kommt erneut vor Gericht, nachdem der ursprüngliche Freispruch vom Bundesgerichtshof aufgehoben wurde.
Die Angeklagten, Gianluca K. und Nordulf H., müssen sich nun vor dem Landgericht Mühlhausen einem erneuten Verfahren stellen – begleitet von anhaltender Kritik an der Justiz und ihrer Handhabung des Falls.
Der Übergriff ereignete sich 2016, als die beiden Journalisten einer mutmaßlichen Neonazi-Versammlung nachgingen. Gianluca K. und Nordulf H. sollen sie dabei schwer verletzt haben. Dennoch endete der erste Prozess mit einem Freispruch – ein Urteil, das landesweit Empörung auslöste und den Bundesgerichtshof veranlasste, eine Neuverhandlung anzuordnen.
Das höhere Gericht rügte das ursprüngliche Urteil als Verstoß gegen grundlegende Rechtsprinzipien und als Fehlinterpretation zentraler Beweise. Nun, mit Beginn der Neuauflage des Prozesses, schweigen die Angeklagten zu ihrer Verteidigung. Ihr Stillhalten folgt auf eine kurzfristige Terminverschiebung, die durch eine Beschwerde wegen Verfahrensverzögerungen erzwungen wurde.
Gianluca K., einst ein enger Vertrauter des Rechtsextremisten Thorsten Heise, ist inzwischen umgezogen und verheiratet – ein Umstand, der die Schutzbehauptungen seiner Verteidigung untergräbt. Seine Anwältin Nicole Schneiders hatte unter Verweis auf angebliche Drohungen für die Geheimhaltung seiner Adresse plädiert. Das Gericht wies diesen Antrag jedoch zurück und verwies auf seine geänderten Lebensumstände.
Journalistenverbände üben scharfe Kritik am Thüringer Justizsystem und werfen ihm vor, Reporter nicht ausreichend vor Angriffen zu schützen. Sven Adam, der Anwalt eines der Opfer, bezeichnete den ersten Freispruch als „Skandal“ und hofft nun auf ein faires Urteil.
Der neue Prozess bietet eine zweite Chance auf Gerechtigkeit in einem Fall, der bundesweit für Aufmerksamkeit sorgt. Rechtsbeobachter und Medienfreiheitsorganisationen verfolgen die erneute Beweisaufnahme mit großer Spannung. Das Ergebnis wird entscheiden, ob die beiden Angeklagten für den Angriff auf die Journalisten im Jahr 2016 zur Verantwortung gezogen werden.
