05 January 2026, 10:08

Schuldenbremse-Reform: Warum Ökonomen vor einer Staatsverschuldung von 100 Prozent warnen

Mehrere Masten und Gebäude mit Lichtern unter einem bewölkten Himmel, mit Spiegelungen der Masten

IMK warnt vor einer Verschuldungsquote von 100 Prozent aufgrund von Ausnahmen von der Schuldenbremse - Schuldenbremse-Reform: Warum Ökonomen vor einer Staatsverschuldung von 100 Prozent warnen

Die geplante Reform der Schuldenbremse in Deutschland stößt bei Wirtschaftsexperten auf scharfe Kritik. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnt, dass die Ausnahmeregelung für Verteidigungsausgaben die Staatsverschuldung bis 2050 auf fast 100 Prozent der Wirtschaftsleistung hochtreiben könnte. Aktuell liegt die Quote bei 65 Prozent, doch die vorgeschlagenen Änderungen könnten die Kreditaufnahme beschleunigen – ohne klare volkswirtschaftliche Vorteile.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Mitte-rechts-Koalition unter Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) treibt die Reform der Schuldenbremse weiter voran. Eine Expertenkommission erarbeitet derzeit Vorschläge zur Anpassung der Regeln. Nach dem aktuellen Plan sollen Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit von den Kreditgrenzen ausgenommen werden, während andere Investitionen – etwa in Infrastruktur oder Klimaneutralität – strengeren Kontrollen unterliegen.

IMK-Direktor Sebastian Dullien kritisiert, dass dieser Ansatz ein Ungleichgewicht schafft. Unbegrenzte Kreditaufnahme für Rüstung könnte die Handlungsspielräume für produktivere Investitionen einschränken. Eine Studie des Instituts zeigt, dass Militärausgaben im Gegensatz zu gezielten Infrastruktur- und Klimainvestitionen kaum zum langfristigen Wirtschaftswachstum beitragen. Um eine Schuldenkrise zu vermeiden, schlägt das IMK alternative Finanzierungsmodelle vor – darunter eine einmalige Vermögensabgabe auf die größten Privatvermögen, um die steigenden Verteidigungskosten zu decken. Die Analyse kommt zudem zu dem Ergebnis, dass bei vollständiger Ausschöpfung des Sonderfonds für Klima und Infrastruktur das BIP bis Mitte der 2040er-Jahre um 1,4 Prozent steigen könnte. Dies steht im Kontrast zur begrenzten volkswirtschaftlichen Wirkung erhöhter Militäretats.

Die möglichen Folgen der Reform sind gravierend: Bleiben die Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen, könnte die Staatsverschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung in den nächsten drei Jahrzehnten stark ansteigen. Die IMK-Ergebnisse deuten darauf hin, dass der aktuelle Plan ohne Nachbesserungen das Wirtschaftswachstum hemmen und gleichzeitig die finanzielle Belastung erhöhen könnte.