Sexuelle Belästigung in Unternehmen: Jede Fünfte ist betroffen – doch kaum einer handelt
Hilda Dussen vanSexuelle Belästigung in Unternehmen: Jede Fünfte ist betroffen – doch kaum einer handelt
Sexuelle Belästigung bleibt ein weitverbreitetes Problem in deutschen Unternehmen – etwa jede fünfte Beschäftigte bundesweit ist betroffen. Allein in Halle sind über 112.000 Arbeitnehmer:innen in 5.040 Unternehmen davon betroffen, wobei Frauen besonders häufig Opfer solcher Vorfälle werden. Ein aktueller Bericht zeigt die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für Unternehmen auf: von sinkender Motivation bis hin zu steigenden Fehlzeiten.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) macht auf das Ausmaß sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz aufmerksam. Die Bandbreite reicht von derbem "Spaß" und unerwünschten Nacktfotos bis hin zu aufdringlichen Fragen über das Privatleben. Laut Gewerkschaft gehen die Übergriffe von Kolleg:innen, Vorgesetzten oder sogar Kund:innen aus – besonders in Branchen mit direktem Kundenkontakt wie Einzelhandel und Gastronomie.
Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Unternehmen verpflichtet, Beschwerdeverfahren und Präventionsmaßnahmen einzurichten. Doch obwohl mehr als die Hälfte der Betriebe das Problem erkennt, unternehmen nur wenige konkrete Schritte. Carsten Schmidt, Vorsitzender der NGG Leipzig-Halle-Dessau, betont, dass vorbeugende Maßnahmen trotz gesetzlicher Vorgaben noch immer die Ausnahme sind. Die Folgen für die Unternehmen sind gravierend: Fast drei Viertel der betroffenen Betriebe verzeichnen sinkende Produktivität, höhere Krankheitsstände und einen spürbaren Motivationsverlust im Team. Mit 13 Prozent der Firmen, die in den letzten zwei Jahren mindestens einen Vorfall registrierten, bleibt das Problem branchenübergreifend bestehen. Betriebe mit Betriebsräten gehen die Thematik jedoch deutlich aktiver an.
Die Zahlen unterstreichen den Bedarf an stärkeren Präventions- und Unterstützungsstrukturen in Unternehmen. Sexuelle Belästigung schadet nicht nur den Beschäftigten, sondern stört auch den Betriebsablauf – mit finanziellen und organisatorischen Belastungen. Unternehmen mit klaren Beschwerdewegen und einer aktiven Mitarbeitervertretung zeigen jedoch, wie sich Vorfälle wirksam reduzieren lassen.
