SPD-Kreisdirektor zwingt junge Arbeitslose zur Arbeit
SPD-Landrat zwingt junge Arbeitslosengeld-II-Empfänger zur Arbeit
Anreißer In der thüringischen Stadt Nordhausen müssen junge Arbeitslosengeld-II-Bezieher künftig für 1,20 Euro pro Stunde arbeiten. Der SPD-Landrat Jendricke will sie unter Druck setzen – und übt zugleich Kritik an der eigenen Partei.
Veröffentlichungsdatum 4. November 2025, 07:16 Uhr
Schlagwörter Finanzen, Wirtschaft, Politik
Artikeltext In Nordhausen (Thüringen) hat ein umstrittenes Pilotprojekt begonnen: Junge Arbeitslosengeld-II-Empfänger müssen nun für 1,20 Euro die Stunde arbeiten. Das auf drei Monate angelegte Modell des SPD-Landrats Matthias Jendricke richtet sich an rund 220 Personen – darunter 60 als „Problemfälle“ eingestufte Betroffene. Wer sich weigert, muss mit finanziellen Sanktionen rechnen.
Die Teilnehmer werden verpflichtet, bis zu 40 Stunden pro Woche in gemeinnützigen Werkstätten, im kommunalen Unterhalt oder bei der Grünflächenpflege zu arbeiten. Bei Verweigerung droht eine Kürzung der Leistungen um zehn Prozent. Jendricke, selbst SPD-Mitglied, kritisiert offen die bisherige Politik seiner Partei gegenüber jungen Arbeitslosen. Das aktuelle System fördere Untätigkeit, so seine Argumentation.
Er wirft der bisherigen Praxis vor, eine „Generation von Drückebergern“ heranzuzüchten, indem sie fürs Nichtstun zu Hause bezahlt werde – inklusive Mietübernahme. Nach Abschluss des Versuchs will Jendricke die Ergebnisse auswerten und entscheiden, ob die Arbeitsverpflichtung dauerhaft eingeführt wird.
Das Projekt stellt einen radikalen Bruch mit den bisherigen Regelungen zur Arbeitslosenunterstützung in der Region dar. Sollte es erfolgreich sein, könnte es die Art und Weise verändern, wie junge Leistungsbezieher mit Arbeitsverpflichtungen umgehen. Zunächst wird der Test zeigen, ob finanzielle Strafen und niedrig entlohnte Arbeit die Abhängigkeit von staatlicher Hilfe verringern können.
