Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn
Reingard FaustStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn
Eine neu veröffentlichte unabhängige Studie hat schwere Versäumnisse im Erzbistum Paderborn aufgedeckt. Dem Bericht zufolge haben Kardinäle über Jahrzehnte hinweg wiederholt Täter geschützt und die Bedürfnisse der Opfer ignoriert. Die Forscher untersuchten den Zeitraum von 1941 bis 2022 und konzentrierten sich dabei auf die Amtszeiten zweier ehemaliger Kardinäle.
Die Ergebnisse verstärken die anhaltende Kritik an der katholischen Kirche in Deutschland, wo Missbrauchsskandale bereits Reformen und öffentliche Eingeständnisse vergangener Fehler ausgelöst haben.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt, die das Erzbistum über weite Teile des 20. und frühen 21. Jahrhunderts führten. Ihre Behandlung von Missbrauchsfällen zeigte ein Muster: Täter wurden gedeckt, während den Geschädigten kaum Unterstützung zukam. In einer zweiten Phase wird die Studie nun die Jahre 2002 bis 2022 analysieren, die in die Amtszeit des emeritierten Erzbischofs Hans-Josef Becker fallen.
Ursprünglich sollte der Bericht bereits früher veröffentlicht werden, doch die COVID-19-Pandemie und die Entdeckung zusätzlichen Archivmaterials führten zu Verzögerungen. Das Erzbistum Paderborn, eines von sieben in Deutschland, betreut 1,3 Millionen Katholiken in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Sein Gebiet erstreckt sich von Minden im Norden bis Siegen im Süden und von Herne im Westen bis Höxter im Osten.
Seit einer Vorstudie aus dem Jahr 2017 hat die deutsche katholische Kirche Schritte unternommen, um Missbrauch aufzuarbeiten – darunter den Reformprozess Synodaler Weg und öffentliche Stellungnahmen von Bischöfen. Zu den jüngsten Maßnahmen zählen Mahnmale in Passau und interaktive Ausstellungen in Paderborn. Auch politische Verantwortungsträger haben die Bemühungen der Kirche zur Aufarbeitung der Vergangenheit anerkannt, doch Kritiker fordern weitere Konsequenzen.
Die Studienergebnisse legen systemische Versäumnisse bei der Bearbeitung von Missbrauchsfällen über acht Jahrzehnte offen. Mit der geplanten weiteren Untersuchung von Beckers Amtszeit steht das Erzbistum weiterhin unter Druck, seine Geschichte aufzuarbeiten. Gleichzeitig signalisieren die Reformen in den deutschen Diözesen ein anhaltendes Bemühen, künftigen Schaden zu verhindern und Überlebende zu unterstützen.
