Thüringens Justiz am Limit: 130.000 neue Fälle und 35 fehlende Staatsanwälte
Berndt MitschkeMehr Anklagen trotz Personalmangels im Thüringer Justizsystem - Thüringens Justiz am Limit: 130.000 neue Fälle und 35 fehlende Staatsanwälte
Thüringens Justiz steht unter wachsendem Druck: Steigende Fallzahlen und Personalmangel belasten das System
Im Jahr 2025 bearbeiteten die Staatsanwaltschaften in Thüringen über 130.000 neue Verfahren – doch nach wie vor fehlen rund 35 Staatsanwälte, um den Bedarf zu decken. Trotz einiger Fortschritte bleiben Digitalisierung und veraltete Infrastruktur centrale Herausforderungen.
Allein 2025 gingen bei den Thüringer Staatsanwaltschaften 130.604 neue Fälle ein, während die Zahl der eingestellten Verfahren im Vergleich zu 2024 um 7,4 Prozent sank. Zum Jahresende waren noch 29.554 Ermittlungsverfahren offen. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Falls verlängerte sich auf 2,7 Monate.
Um die Arbeitslast zu verringern, wurden mehr als 60 Richter auf Probe eingesetzt. Auch die Anzahl der Anklageschriften stieg leicht an: 2025 wurden 10.637 erhoben – ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch bei der Digitalisierung hinkt Thüringen hinterher. Die meisten neuen Strafverfahren werden weiterhin auf Papier eingereicht, obwohl ein elektronisches Einreichungssystem existiert. In Zivilsachen ist die Gerichtstechnik veraltet, Modernisierungen bleiben aus.
Der Thüringer Richterbund fordert nun dringendes Handeln. Er verlangt eine zügige Einigung über den "Pakt für den Rechtsstaat", um zusätzliche Planstellen zu schaffen und die Digitalreformen zu beschleunigen.
Überlastete Gerichte, Personalnot und veraltete Technik Thüringens Justiz kämpft mit hohen Fallzahlen, Personalengpässen und unzureichender digitaler Ausstattung. Zwar haben die Einsatzrichter kurzfristig Entlastung gebracht, doch nachhaltige Lösungen hängen von Finanzmitteln und Modernisierungsmaßnahmen ab. Der geplante Pakt soll diese Probleme angehen – konkrete Schritte stehen jedoch noch aus.
