24 December 2025, 16:28

„Tödliche Doris“: Wie ein Punk-Kollektiv die Kunstwelt auf den Kopf stellte

Eine Frau in einer schwarzen Jacke singt in ein Mikrofon auf der Bühne, mit einem Mann in Sonnenbrille und Stirnbinde, der ein Instrument spielt, und einem Plakat mit 'LA Guns' im Hintergrund.

„Tödliche Doris“: Wie ein Punk-Kollektiv die Kunstwelt auf den Kopf stellte

Im Weserburg Museum in Bremen hat die erste große Retrospektive der Tödlichen Doris im Zentrum für Künstlerpublikationen ihre Tore geöffnet. Die Ausstellung widmet sich dem Werk des radikalen West-Berliner Kollektivs, das 1980 als Punkband begann und sich später in Richtung Film, Performance und Konzeptkunst weiterentwickelte. Mit ihrem unkonventionellen Ansatz stellten sie traditionelle Vorstellungen von handwerklichem Können und künstlerischer Meisterschaft infrage.

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Gegründet wurde die Gruppe 1980 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen in West-Berlin. Ursprünglich als Punkband gestartet, erweiterten sie schnell ihr Spektrum und verbanden Fotografie, Text, Malerei und filme zu provokanten Projekten. Ihr Auftritt 1981 beim Festival der genialen Dilettanten in Berlin rückte sie in die Nähe anderer Schlüsselfiguren der Underground-Szene.

Eines ihrer umstrittensten Werke war der Film Das Leben von Sid Vicious, der mit seinem dreisten, konfrontativen Stil für Empörung sorgte. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt, Materialien für die Nachkriegszeit, bestand darin, weggeworfene Passfotos aus U-Bahn-Stationen zu sammeln und filmisch zu dokumentieren. 1987 wurden sie zur documenta nach Kassel eingeladen, wo sie ein konzeptuelles Gemälde präsentierten. Die aktuelle Ausstellung inszeniert ihre chaotische Energie, indem mehrere Super-8-Filme gleichzeitig laufen und den Raum mit einer "summenden" Atmosphäre füllen. Kritiker beschrieben die Gruppe oft als unberechenbar – sie tauchten stets "dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet".

Ihr Archiv, heute vom Archivar Radek Krolczyk verwaltet, wurde 2020 von seiner Bremer Galerie K’ erworben.

Die Retrospektive unterstreicht das Erbe der Tödlichen Doris als ein Kollektiv, das künstlerische Normen sprengte. Durch Film, Performance und Mixed Media lehnten sie Virtuosentum zugunsten roher Experimentierfreude ab. Die Ausstellung bleibt für Besucher geöffnet, die ihr grenzüberschreitendes Schaffen hautnah erleben können.