Tschechoslowakischer Wolfhund Miro in Jena von Hobbyjäger erschossen – war es Notwehr oder Überreaktion?
Berndt MitschkeTschechoslowakischer Wolfhund Miro in Jena von Hobbyjäger erschossen – war es Notwehr oder Überreaktion?
Am 2. Juni 2023 wurde der junge Hund Miro bei einem Spaziergang in der Nähe der Dörfer Remderoda und Münchenroda erschossen. Der Tschechoslowakische Wolfhund, der Doreen Jaenichen gehörte, starb in ihren Armen, nachdem ein Hobbyjäger das Feuer eröffnete. Der Vorfall wirft Fragen nach den Umständen der Schüsse und der Rechtmäßigkeit des Handelns des Jägers auf.
An jenem Abend gegen 22 Uhr trainierte Jaenichen mit Miro auf einer Wiese. Sie hatte ihm kurz das Geschirr geöffnet, um Rückrufübungen zu machen, als plötzlich ein Schuss fiel. Der Schütze, Thomas Hornung, Mitglied im Jägerverband Jena und Umgebung, behauptete später, er habe gehandelt, um Wild zu schützen. Er gab an, Miro habe im Begriff gestanden, einen Hasen mit Jungtieren anzugreifen – doch Jaenichen bestreitet, dass es einen solchen Hasen überhaupt gab.
Hornung hatte Jaenichen bereits dreimal zuvor zur Rede gestellt, weil er befürchtete, Miro würde Wild jagen. Als jüngste Begründung führte er an, der Hund könnte sich mit einem in Jena gesichteten Wolf paaren und so hybride Nachkommen zeugen. Jörg Feigel von der Unteren Jagdbehörde Jena bestätigte die früheren Auseinandersetzungen, betonte jedoch, dass keine schriftliche Erlaubnis für die Tötung des Hundes vorgelegen habe.
Nach dem Schuss verhinderte Hornung, dass Jaenichen die Polizei rief. In ihrer Verzweiflung nahm sie sein Angebot an, sie und ihre Tochter in seinem Pick-up nach Hause zu fahren. Miro, ein gut erzogener Hund, der für den Einsatz in der Therapie vorgesehen war, starb noch am Tatort.
Feigel räumte ein, dass tödliche Gewalt nur das letzte Mittel sein dürfe. Doch der Hund wurde während eines normalen Spaziergangs erschossen – nicht, während er aktiv Wild hetzte.
Der Fall dreht sich nun um widersprüchliche Schilderungen von Miros Verhalten und die Rechtmäßigkeit von Hornungs Entscheidung, zu schießen. Die Behörden müssen nun klären, ob die Tötung nach Jagdrecht gerechtfertigt war. Für Jaenichen bleibt der Verlust ihres Begleiters – und der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zum Einsatz von Schusswaffen in solchen Konflikten auf.
