Vergessene Schicksale: Wie die DDR ganze Höfe an der Grenze zerstörte
Hilda Dussen vanVergessene Schicksale: Wie die DDR ganze Höfe an der Grenze zerstörte
Öffentlicher Vortrag zur Geschichte der abgerissenen Höfe im thüringischen Kreis Geisa
Am Freitag, dem 8. Mai 2026, findet im Schloss Dermbach ein öffentlicher Vortrag über die Geschichte der zwangsgeräumten und zerstörten Höfe im heutigen Landkreis Geisa statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Zwangsumsiedlungen und Hausabrisse zwischen 1952 und 1961 entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Wolfgang Christmann, Mitautor des Buches „Zu ihrem eigenen Schutz?“ wird die Diskussion leiten und die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen in der einstigen Sperrzone an der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland beleuchten. Der Vortrag widmet sich insbesondere zwei zentralen Aktionen der DDR-Führung: der „Aktion Blümchen“ und der „Aktion Festigung“. Im Rahmen dieser Kampagnen wurden hunderte Häuser und ganze Dörfer in Grenznähe abgerissen. Allein im Kreis Geisa fielen zwischen 1952 und den 1980er-Jahren über dreißig Anwesen den Abrissmaßnahmen zum Opfer.
Christmann wird anhand von Fallbeispielen aufzeigen, wie die Zerstörungen geplant und durchgeführt wurden. Zudem thematisiert er die Rolle inoffizieller Stasi-Mitarbeiter bei der Umsetzung dieser Maßnahmen. Veranstalter sind die Schlossbibliothek Dermbach und der Verein „Freunde des Museums und der Bibliothek Schloss Dermbach e. V.“
Im Anschluss an den Vortrag kann das Buch „Zu ihrem eigenen Schutz? Die Geschichte der abgerissenen Höfe und ihrer Bewohner“, das Christmann gemeinsam mit Bruno Leister verfasst hat, zum Preis von 29 Euro erworben werden. Die 2011 erstmals erschienene Publikation dokumentiert die Erlebnisse der Betroffenen – darunter auch Leister selbst, der in der Sperrzone aufgewachsen ist.
Beginn der Veranstaltung ist um 18:30 Uhr im rechten Flügel von Schloss Dermbach. Die Besucher haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ein Exemplar des Buches zu erwerben.
Ziel des Abends ist es, ein oft vernachlässigtes Kapitel der DDR-Geschichte aufzuarbeiten. Durch persönliche Schicksale und archivarische Belege gibt der Vortrag Einblicke in die Zwangsumsiedlungen ganzer Familien. Für Interessierte stehen zudem weitere Buchexemplare zum Verkauf bereit.






