01 February 2026, 16:27

"We Crisis Actors": Wie Berlin mit Kunst die Krise auf die Bühne holt

Eine große Menschenmenge steht vor einer hell erleuchteten Bühne mit Stufen und Geländern, umgeben von Texttafeln, wobei einige Personen Kameras halten und ein großer Bildschirm im Hintergrund zu sehen ist, was auf ein Ereignis in den Vereinigten Staaten hindeutet.

"We Crisis Actors": Wie Berlin mit Kunst die Krise auf die Bühne holt

Eine mutige neue Performance in Berlin setzt sich mit den drängendsten Krisen unserer Zeit auseinander – und zwar auf der Bühne."We Crisis Actors: Lookalike in Anger!" verbindet reale Ereignisse, Verschwörungstheorien und künstlerisches Experiment, um das Publikum herauszufordern. Die von dem Künstlerkollektiv andcompany&Co. in Zusammenarbeit mit Turbo Pascal inszenierte Show sprengt Grenzen, indem sie untersucht, wie die Gesellschaft auf Katastrophen reagiert – ob real oder eingebildet.

Die Aufführung beginnt mit provokanten Fragen, etwa ob die Mondlandung gefälscht war. Alexander Karschnia, eine zentrale Figur bei andcompany&Co., nutzt diesen Skeptizismus, um tiefere Themen zu umreißen. Ein besonders eindringlicher Abschnitt erzählt vom Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School in den USA im Jahr 2018, bei dem Überlebende von Online-Verschwörungstheoretikern fälschlich als "Crisis Actors" – also bezahlte Schauspieler – diffamiert wurden. Der Begriff selbst stammt aus rechtsextremen Kreisen und behauptet, dass Tragödien für politische Zwecke inszeniert würden.

Statt Unbehagen zu vermeiden, stellt sich die Performance ihm bewusst. Die Produktion wirft die Frage auf, ob das Proben undurchdenkbarer Krisen – von Atomkriegsdrohungen über den Klimakollaps bis hin zu systemischen Zusammenbrüchen – der Gesellschaft helfen könnte, sich ihnen zu stellen. Die Bühne wird zu einem theatralischen Spiegelkabinett, das zeigt, wie leicht Wahrheit verzerrt werden kann.

Der Höhepunkt setzt einen emotionalen Schlusspunkt. Fünfzig in Berlin ansässige Künstler:innen performen Freddie Mercurys "The Show Must Go On" aus der Ferne – ihre Stimmen werden per Telefon eingespielt und auf eine große Leinwand projiziert. Die beklemmende Interpretation hinterlässt einen bleibenden Eindruck und bringt dem Ensemble stehende Ovationen ein.

Die Aufführung steht im Einklang mit der Mission des Theater Thikwa, inklusive Kunst zu schaffen, insbesondere mit Künstler:innen mit Behinderungen. Durch Workshops und experimentelles Theater macht das Haus komplexe Themen wie Vertreibung und Überleben in turbulenten Zeiten einem breiten Publikum zugänglich.

"We Crisis Actors: Lookalike in Anger!" zwingt die Zuschauer:innen, sich mit unangenehmen Wahrheiten über moderne Krisen und Desinformation auseinanderzusetzen. Indem die Performance reale Tragödien mit theatralischer Erkundung verschmilzt, wirkt sie noch lange nach, wenn der Vorhang gefallen ist. Die Zusammenarbeit zwischen andcompany&Co., Turbo Pascal und Theater Thikwa zeigt einmal mehr, was inklusive, politisch engagierte Kunst leisten kann.

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