Weltweit größtes Schwarmkraftwerk "Energyfish" startet im Rhein bei St. Goar
Adriana HaufferWeltweit größtes Schwarmkraftwerk "Energyfish" startet im Rhein bei St. Goar
Erstmals wird ein neuartiges schwimmendes Strömungskraftwerk namens „Energyfish“ im großen Stil eingesetzt. Die Anlage wird im Rhein bei St. Goar installiert und besteht aus 124 Einheiten, die zusammen das weltweit größte „Schwarmkraftwerk“ dieser Art bilden. Jede Turbine nutzt die Strömung des Flusses zur Stromerzeugung und könnte eine vielversprechende Energielösung für abgelegene oder netzunabhängige Gemeinden darstellen.
Der Entwickler Energyminer beschreibt den Energyfish als kompakte Turbine mit den Maßen 2,8 Meter Länge, 2,4 Meter Breite und 1,4 Meter Höhe. Jede Einheit wiegt etwa 80 Kilogramm und kann bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen. Laut Unternehmen produziert eine einzelne Turbine jährlich rund 15 Megawattstunden, während ein Schwarm von 100 Einheiten etwa 1,5 Gigawattstunden pro Jahr liefern könnte – genug, um etwa 470 Haushalte zu versorgen.
Die Anlage ist für den Dauerbetrieb konzipiert, unabhängig von Wetter oder Jahreszeit. Sie soll hochwasserresistent sein, Fische nicht gefährden und nur minimalen Wartungsaufwand erfordern. Die gestützten Stromgestehungskosten liegen demnach bei etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde, bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren.
Die Installation in St. Goar umfasst die gesamte notwendige Infrastruktur, darunter die Vorbereitung des Flussbetts, Verankerungen, Kabel, Netzanbindung und Überwachungssysteme. Trotz der Größe des Schwarmes mit 124 Turbinen wird die Anlage im Schnitt nur wenige hundert Kilowatt erzeugen – nicht etwa Zehntausende Kilowatt. Damit eignet sie sich eher für kleine, dieselabhängige Gemeinden als für netzgebundene Regionen mit etablierten erneuerbaren Energien.
Das Energyfish-System bietet eine stetige, wartungsarme Stromquelle für Standorte mit starken Fließgewässern. Die erste Großinstallation am Rhein wird nun seine Effizienz und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Zwar bleibt die Leistung im Vergleich zu großen Energieprojekten bescheiden, doch könnte die Technologie eine tragfähige Alternative für abgelegene Gebiete sein.
