Wiesbadener Karneval verliert Traditionsfigur nach Mainzer Markenstreit
Berndt MitschkeWiesbadener Karneval verliert Traditionsfigur nach Mainzer Markenstreit
Wiesbadener Karnevalstradition gerät in rechtliche Schwierigkeiten
Eine langjährige Tradition beim Wiesbadener Karnevalsumzug ist in eine juristische Zwickmühle geraten. Fast 20 Jahre lang markierte die Stadt mit einer Figur namens «Zugen(d)te» das Ende ihres Schmotzigen-Donnerstags-Umzugs – bis Mainz einschritt. Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) hält die Namensrechte an der Bezeichnung und zwang Wiesbaden damit, nur Tage vor dem diesjährigen Umzug sein Final-Symbol umzubenennen.
Der Streit begann, als der MCV unter seinem Präsidenten Hannsgeorg Schönig Beschwerde gegen die Nutzung von «Zugen(d)te» in Wiesbaden einreichte. Der Name, der seit 2026 in Mainz rechtlich geschützt ist, war in Wiesbaden zwei Jahrzehnte lang unbeanstandet geblieben. Traditionell stand die Figur – eine Person in oranger Warnweste mit Besen – für den Dank an die Aufräumteams nach dem Umzug. Doch der rechtliche Anspruch aus Mainz brachte die Veranstalter in Zugzwang.
Die Wiesbadener Wagenbauer von Dacho reagierten schnell und tauften die Figur in «Gans am End» (Gans am Ende) um. Das Design – nun mit weißen statt der Mainzer gelben Federn – erinnerte ohnehin eher an eine Gans als an eine Ente. Der künstlerische Leiter Guntram Eisenmann bestätigte, dass alle «Zugen(d)te»-Schriftzüge entfernt würden, um weiteren Konflikten aus dem Weg zu gehen. Die Figur selbst bleibt unverändert, doch die Umbenennung sichert den rechtlich unbedenklichen Fortbestand des Umzugsfinales.
Der Streit wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Spannungen innerhalb der rheinischen Karnevalstraditionen. Während Mainz seine Markenrechte durchsetzt, hat die Wiesbadener Variante tief verwurzelte lokale Wurzeln, die bis in die späten 1990er-Jahre zurückreichen. In der gesamten Region gibt es ähnliche Bräuche zum Umzugsende, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Fürs Erste ermöglicht der Kompromiss das Weiterleben der Tradition – wenn auch unter neuem Namen.
Der Wiesbadener Umzug findet am Sonntag wie geplant statt, mit «Gans am End» als Abschlussakt. Die schnelle Umbenennung verhindert zwar eine gerichtliche Auseinandersetzung, unterstreicht aber die zunehmend enger werdenden rechtlichen Grenzen bei Karnevalssymbolen. Mainz' Markenrecht bleibt bestehen, während Wiesbadens Lösung eine beliebte Tradition bewahrt – wenn auch mit ein paar geänderten Federn.
Mainz's 2016 Trademark Claim Revealed in Wiesbaden Dispute
New findings reveal the Mainzer Carneval-Verein trademarked 'Zugente' in 2016, not 2026 as previously reported, explaining the recent legal action against Wiesbaden. Key details include: - The MCV registered the name a decade earlier than the source article stated. - Hannsgeorg Schönig personally contacted Wiesbaden's Guntram Eisenmann via phone to enforce the claim. - Legal focus was on the wordplay and script of 'Zugen(d)te', not the animal design itself.
