27 March 2026, 10:12

Wiesn-Gottesdienst: Stille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel

Eine große Gruppe von Menschen an Tischen unter einem Zelt auf dem Oktoberfest in München, Deutschland, mit Taschen und Gegenständen auf den Tischen und festlicher Dekoration im Hintergrund.

Wiesn-Gottesdienst: Stille Andacht mitten im Oktoberfest-Trubel

Jedes Jahr ist das Münchner Oktoberfest mehr als nur Bier und Bratwurst. Eine seiner stilleren, doch beeindruckenden Traditionen ist der Wiesn-Gottesdienst, der während der ersten Festwoche im Marstall-Zelt stattfindet. Die diesjährige Veranstaltung bot einen seltenen Moment der Besinnung mitten im Trubel der Feierlichkeiten.

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Der Gottesdienst begann mit nur sechs Männern, die sich in dem riesigen Zelt versammelten und Wein aus einem einzigen goldenen Kelch teilten. Als die Gemeinde aufstand, hoben ihre Stimmen gemeinsam an: Lobt den Herrn! Die Worte hallten durch den Raum, in dem sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester mit ihren Stimmungsmelodien spielt – nun erfüllt von Kirchenliedern statt von Blasmusik.

Irgenwann ergriff ein Mann das Mikrofon und rezitierte: Und führe uns nicht in Versuchung… Seine Stimme hallte nach, vermischt mit dem gelegentlichen Halleluja, das von der Musikerbühne herabschwebte. Die Szene wirkte surreal – eine Kirche ohne Wände, ein Pfarrer ohne feste Kanzel und eine Gemeinde, die für eine kurze Stunde ein Bierzelte in einen Ort der Andacht verwandelte.

Der Wiesn-Gottesdienst ist seit langem ein besonderes Schauspiel innerhalb des größeren Oktoberfest-Spektakels. Er gewährt einen Einblick in ein vergängliches Dorf, in dem die üblichen Regeln nicht gelten. Hier leitet der Pfarrer Gebete ohne Kirche, und die Gläubigen singen Kirchenlieder von Bänken, die sonst für feiernde Gäste mit ihren Maßkrügen reserviert sind.

Der Gottesdienst endete so, wie er begonnen hatte – leise, mit den sechs Männern, die ihren geteilten Wein austranken. Für die Anwesenden war es ein Moment des Kontrasts: eine Pause im Lärm des Festes, eine Erinnerung an die Tradition mitten im Treiben. Das Marstall-Zelt, sonst gefüllt mit jubelnden Menschenmassen, beherbergte für kurze Zeit eine schlichte Gemeinde, deren Stimmen im Gebet emporstiegen, bevor die Bierbänke wieder mit Feiernden gefüllt wurden.

Quelle