ADNOC übernimmt Covestro und schafft einen globalen Kunststoffgiganten
Reingard FaustADNOC übernimmt Covestro und schafft einen globalen Kunststoffgiganten
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC ist nach einem langen Prozess nahezu abgeschlossen. Die Aktien des deutschen Chemieunternehmens wurden Anfang 2026 nach einem Squeeze-out-Angebot von der Börse genommen. Dieser Schritt markiert einen tiefgreifenden Wandel für das Unternehmen, das sich nun auf die Integration in einen neu gegründeten Kunststoffriesen vorbereitet.
Der Deal erfolgt zu einer schwierigen Zeit für die deutsche Chemieindustrie, die mit steigenden Kosten und schrumpfender Produktion zu kämpfen hat.
ADNOC hatte sein Übernahmeangebot für Covestro erstmals im März 2023 vorgelegt. Damals lag der Marktwert des Unternehmens bei etwa 14,7 Milliarden Euro. Bis Anfang 2026 war dieser Wert auf rund 12,35 bis 12,41 Milliarden Euro gesunken – kurz vor dem Börsenrückzug. Das finale Squeeze-out-Angebot, das am 20. März eingereicht wurde, sah eine Barabfindung von 59,46 Euro pro Aktie vor – leicht unter dem letzten Handelspreis von 59,54 Euro.
Die Übernahme passt in die übergeordnete Strategie von ADNOC. Gemeinsam mit OMV hat der Konzern Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur Borouge Group International (BGI) fusioniert. Die Gründung von BGI, die für Ende März 2026 geplant ist, wird das viertegrößte Kunststoffunternehmen der Welt schaffen, unter dessen Dach künftig auch Covestro agieren wird. Die neue Gruppe wird von Roger Kearns als CEO geführt, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers übernimmt.
Unterdessen bleibt die deutsche Chemieindustrie in der Krise. Das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 weitere Produktionskürzungen und Arbeitsplatzverluste. Hohe Energiekosten und globaler Wettbewerb verschärfen den Druck, obwohl sich Gewerkschaften und Arbeitgeber kürzlich auf Lohnerhöhungen geeinigt haben. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Arbeitgeberverband BAVC vereinbarten eine Erhöhung um 2,1 Prozent im Jahr 2027 und 2,4 Prozent im Jahr 2028.
Die Bewertung von Covestro spiegelt nicht länger seine Ertragskraft wider. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 98,3 im Jahr 2026 wird der Aktienkurs nicht von der finanziellen Performance, sondern von den Übernahmebedingungen ADNOCs bestimmt.
Mit dem Börsenrückzug endet Covestros unabhängige Präsenz am Aktienmarkt. Das Unternehmen wird künftig als Teil von BGI agieren, einem der globalen Marktführer in der Kunststoffproduktion. Für die deutsche Chemieindustrie jedoch bleiben die Herausforderungen durch hohe Kosten und sinkende Produktion ungelöst.






