Condor kämpft um Zukunft nach Thomas-Cook-Pleite und Staatsrettung
Berndt MitschkeCondor kämpft um Zukunft nach Thomas-Cook-Pleite und Staatsrettung
Der Kollaps von Thomas Cook im Jahr 2019 löste eine der komplexesten Luftfahrtrettungen in Deutschland aus. Condor, damals eine profitable Fluggesellschaft, geriet durch die Insolvenz des Reiseveranstalters in eine schwere Krise, als dessen Pleite die Liquidität der Airline blockierte. Der deutsche Staat griff mit einem umfangreichen Rettungspaket ein, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.
Im Oktober 2019 erhielt Condor ein Notkredit in Höhe von 380 Millionen Euro von der Bundesregierung. Obwohl das Unternehmen operativ gesund war – zwischen 2008 und 2019 hatte es Gewinne von rund 530 Millionen Euro erwirtschaftet – war seine Zahlungsfähigkeit durch die Thomas-Cook-Pleite lahmgelegt. Ein weiterer Kredit über 550 Millionen Euro von der staatseigenen KfW-Bank war an eine entscheidende Bedingung geknüpft: Der britische Investor Attestor musste die Airline übernehmen und später wieder veräußern.
Die polnische Staatsairline LOT, vertreten durch ihre Muttergesellschaft PGL, zeigte zunächst Interesse an einem Kauf von Condor. Doch das Geschäft platzte in letzter Minute aufgrund der durch COVID-19 ausgelösten finanziellen Unsicherheiten. Schließlich übernahm Attestor 2021 die Fluggesellschaft, während der deutsche Staat eine Minderheitsbeteiligung behielt. Die Transaktion umfasste komplexe Finanzkonstruktionen, darunter Senior- und Junior-Kredittranchen sowie einen Earn-out-Mechanismus.
Seit der Übernahme hat Condor ihre Flotte mit Airbus-A330-900neo-Maschinen modernisiert. Zudem sind Pläne in Arbeit, bis zum Sommer 2027 die Betriebsabfertigung in das neue Terminal 3 des Frankfurter Flughafens zu verlegen. Allerdings hat Attestor die Airline trotz der ursprünglichen Vereinbarung noch nicht verkauft. Die Tatsache, dass der Investor in Großbritannien ansässig ist, erschwert den Prozess zusätzlich.
Ein entscheidender Stichtag rückt näher: Bis zum 30. September 2026 müssen die Bundesregierung, Attestor und Condor eine Lösung für die Zukunft der Fluggesellschaft finden. Sollte sich kein Käufer finden, müssten alternative Szenarien in Betracht gezogen werden.
Condors Überleben nach dem Thomas-Cook-Zusammenbruch hing von staatlichen Rettungsmaßnahmen und einem riskanten Investorendeal ab. Seither hat die Airline ihre Flotte auf den neuesten Stand gebracht und sich langfristig am Frankfurter Flughafen etabliert. Doch mit dem nahenden Termin 2026 bleiben die Eigentumsverhältnisse und die finanzielle Zukunft ungewiss.






