EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film von Rula Jebreal Al-Sharif trotz Antisemitismusvorwürfen
Berndt MitschkeEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film von Rula Jebreal Al-Sharif trotz Antisemitismusvorwürfen
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensisch-italienischen Journalistin und Filmemacherin Rula Jebreal Al-Sharif für Kontroversen gesorgt. Ihre öffentliche Kritik an der israelischen Politik im Gazastreifen führte zu Vorwürfen des Antisemitismus, woraufhin sich lokale Verantwortliche von der Veranstaltung distanzierten. Das Festival betont hingegen die künstlerische Freiheit und die Vielfalt der Perspektiven.
Al-Sharif sieht sich seit 2023 wiederholt mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Im Oktober jenes Jahres bezeichnete sie den Gaza-Konflikt in einem Beitrag bei CNN und auf X (ehemals Twitter) als "Völkermord". In einem Interview 2024 verglich sie militärische Aktionen Israels mit NS-Methoden und unterzeichnete zudem eine Petition, in der Israel "ethnischer Säuberung" beschuldigt wird. Sie wies die Vorwürfe zurück und erklärte, ihre Kritik richte sich gegen die israelische Regierung – nicht gegen Jüdinnen und Juden –, verurteilte gleichzeitig den Terror von Hamas und setzte sich für palästinensische Rechte ein.
Im Mittelpunkt der Debatte stehen weniger ihre künstlerischen Arbeiten als vielmehr ihre politischen Äußerungen. Dennoch bedauerte Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann ihre Teilnahme, da er befürchtet, dies könnte antisemitische Tendenzen fördern. Auch die Stadt sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies distanzierten sich vom Festival.
Das EMAF steht 2025 unter dem Motto "Eine unvollständige Versammlung" und widmet sich der künstlerischen Freiheit und Verantwortung. Bereits in der Vergangenheit arbeitete das Festival mit palästinensischen Künstlerinnen und Künstlern zusammen und bezog jüdische und israelische Stimmen in sein Programm ein. Al-Sharifs Film "Morning Circle" bleibt trotz Forderungen nach einer Streichung Teil des Programms.
Ein im Oktober 2023 veröffentlichtes Halloween-Foto, das Al-Sharif in einem Kostüm mit einem roten Dreieck – einem Symbol für politische Gefangene – zeigt, löste heftige Diskussionen aus. Kritiker empfanden es als provokant, während Unterstützer betonten, es habe keine antisemitische Absicht gehabt. Zudem wird ihr vorgeworfen, sich mit der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel) zu verbünden, was die Auseinandersetzung weiter anheizt.
Die Entscheidung des Festivals, Al-Sharifs Film zu zeigen, vertieft die Gräben zwischen Meinungsfreiheit und dem Vorwurf des Antisemitismus. Während sich die lokalen Behörden klar positioniert haben, verteidigt das EMAF seine künstlerischen Entscheidungen. Die Debatte spiegelt die anhaltenden Spannungen zwischen politischem Aktivismus, künstlerischen Plattformen und öffentlicher Verantwortung wider.






