Fast jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – was jetzt hilft
Hilda Dussen vanFast jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – was jetzt hilft
Eine aktuelle Auswertung der Jugendsexualität-Studie Deutschlands hat alarmierende Zahlen zutage gefördert: Fast die Hälfte aller jungen Menschen ist von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Das Thema hat durch prominente Fälle zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten, darunter die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen. Unterdessen testen Schulen in Thüringen Wege, um das Problem durch gezielte Workshops einzudämmen.
Zwischen 2022 und 2025 lief in Thüringen ein dreijähriges Pilotprojekt, das Schülerinnen und Schüler über digitale sexualisierte Gewalt aufklären sollte. Yasmina Ramdani leitete Präventionsworkshops an Schulen im gesamten Bundesland und erreichte dabei etwa 5.000 Jugendliche der fünften bis achten Klasse. Finanziert vom Büro der Landesbeauftragten für den Kinderschutz, setzte die Initiative auf interaktive Methoden wie Bingokarten, um den Schülerinnen und Schülern zu helfen, eigene Erfahrungen mit Online-Belästigung zu erkennen und zu besprechen.
Ein zentrales Problem, das dabei deutlich wurde, ist Cybergrooming – eine Taktik, bei der Täter gezielt Kontakt zu Minderjährigen in Chats aufbauen, um sie schrittweise sexuell zu missbrauchen. Die Studie von 2025 ergab, dass fast ein Viertel der jungen Menschen bereits mit dieser Form der Manipulation konfrontiert war. Viele Vorfälle geschehen zudem im eigenen Freundeskreis, oft ausgedrückt durch Naivität oder Gruppenzwang.
Lehrkräfte sehen zwar die Dringlichkeit, digitale sexualisierte Gewalt anzugehen, fühlen sich aber häufig überfordert. Expertinnen und Experten betonen, dass Prävention umfassendere Maßnahmen erfordert – von der Kontrolle von Tech-Konzernen bis hin zu stärkeren Investitionen in Bildungsprogramme. Auch Eltern werden aufgefordert, ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Obwohl das Thüringer Pilotprojekt abgeschlossen ist, gibt es keine bundesweiten Daten darüber, wie viele Schulen in Deutschland ähnliche Workshops übernommen haben. Das Fehlen einer Nachverfolgung wirft Fragen nach der langfristigen Wirkung solcher Initiativen auf.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie verbreitet digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen ist. Schulen, Eltern und Politiker stehen nun vor der Herausforderung, aus kurzfristigen Projekten nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Ohne abgestimmte Anstrengungen, warnen Fachleute, werden die Risiken für Minderjährige in digitalen Räumen weiter bestehen.






