Lahav Shani startet in München mit bayerischem "Servus!" statt multikulturellem Pathos
Berndt MitschkeLahav Shani startet in München mit bayerischem "Servus!" statt multikulturellem Pathos
München begrüßt Lahav Shani als neuen Musikdirektor der Münchner Philharmoniker
Während seine Berufung eine Tradition hochkarätiger Dirigenten fortsetzt, hat der Umgang der Stadt mit kultureller Integration für Gesprächsstoff gesorgt. Anders als Berlins früherer kosmopolitischer Gesten spiegelt Münchens Herangehensweise die Vorliebe wider, ausländische Einflüsse mit lokalen Traditionen zu verbinden – manchmal auf überraschende Weise.
Als Simon Rattle die Berliner Philharmoniker übernahm, empfing ihn das Orchester mit einer mutigen "Willkommen!"-Kampagne – eine Feier seines Antritts als globale Größe der klassischen Musik. München jedoch hat einen anderen Weg gewählt.
Shanis Amtsantritt wurde mit Plakaten beworben, die statt eines multikulturellen Slogans wie "Schalom" den bayerischen Gruß "Servus!" zeigten. Diese Entscheidung passt zu Münchens Tendenz, Vielfalt durch den "Bayernkult" zu rahmen – eine Mischung aus regionalem Stolz und selektiver Offenheit. Selbst der Ministerpräsident wurde bereits mit einem "Söder-Döner" fotografiert, ein Symbol für kulturelle Vermischung ohne vollständige Hinwendung zum Multikulturalismus.
Rattle selbst dirigierte kürzlich in München eine "Symphonische Hoagascht", ein Konzert, das klassische Musik mit bayerischen Volkstraditionen verband. Das Ereignis unterstrich, wie die Stadt ausländische Einflüsse oft an die eigene Identität anpasst. Shanis Ankunft hingegen löste – anders als in Gent, wo das Flämische Musikfestival sein Konzert 2025 wegen seiner israelischen Herkunft absagte – weder Kampagnen noch Proteste aus. In München blieben solche Kontroversen aus, auch wenn Medien den Kontrast zu anderen deutschen Städten betonen.
Shanis Wirken beginnt in einer Stadt, die Tradition mit schrittweisem Wandel verbindet. Die Entscheidung der Philharmoniker für "Servus!" statt einer breiteren multikulturellen Botschaft spiegelt lokale Prioritäten wider. Vorerst steht die Musik im Mittelpunkt – doch die größere kulturelle Debatte läuft leise im Hintergrund weiter.






