Mozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Live-Experiment mit Publikum
Berndt MitschkeMozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Live-Experiment mit Publikum
Das Staatstheater Wiesbaden wagt in dieser Spielzeit einen kühnen Neuanfang mit Mozarts Così fan tutte. Statt einer klassischen Inszenierung entfaltet sich die Oper als Echtzeit-Beziehungsstudie – und verwischt die Grenzen zwischen Bühne und Publikum. Regisseurin Marie-Ève Signeyrole bricht mit Konventionen, um schonungslos die Wahrheit über Liebe und Vertrauen freizulegen.
Die Produktion verwandelt das Theater in eine Kunstschule, in der das Publikum selbst zur Studierendenschaft wird. Don Alfonsos berüchtigte Wette wird zum Live-Experiment: Zwanzig junge Paare nehmen als aktive Teilnehmer auf der Bühne Platz. Vorkenntnisse sind nicht nötig – die Macher raten jedoch zu Mut und einer Portion Humor.
Die übliche Trennung zwischen Darstellern und Zuschauern entfällt vollständig. Der Abend beginnt hinter der Bühne und zieht das Publikum bereits ein, bevor die erste Note erklingt. Mit Tickets für nur 10 Euro wird das ungewöhnliche Erlebnis für alle zugänglich.
Signeyroles Regie ist bewusst provokant. Statt bloßer Unterhaltung will die Inszenierung verstören und zwingt Oper wie Publikum gleichermaßen, sich unangenehmen Fragen zu stellen. Ihr scharfer, kompromissloser Stil stellt das Wesen der Aufführung selbst infrage und macht Così fan tutte zu einem Spiegel für alle Beteiligten.
Mit dieser Neuinterpretation ersetzt das Theater das passive Zuschauen durch direkte Teilhabe. Junge Paare begeben sich in ein Experiment, das Beziehungen in Echtzeit auf die Probe stellt. Dank niedrigschwelliger Ticketpreise und ohne Anforderungen an Vorwissen lädt die Produktion ein breites Publikum ein, Teil dieser mutigen künstlerischen Aussage zu werden.






