17 March 2026, 20:11

Stromkosten sinken – doch die deutsche Industrie kämpft mit strukturellen Risiken

Liniengraph, der die jährlichen CO2-Emissionen in Deutschland zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Schweitzer fordert mehr Engagement von Merz für chemischen Dialog - Stromkosten sinken – doch die deutsche Industrie kämpft mit strukturellen Risiken

Stromkosten für deutsche Industrie deutlich gesunken – doch strukturelle Probleme bleiben

Die Strompreise für die deutsche Industrie sind im vergangenen Jahr stark gefallen und haben so die Belastung für die Unternehmen etwas verringert. Doch politische Führungskräfte und Wirtschaftsverbände warnen, dass tiefgreifendere strukturelle Herausforderungen weiterhin ungelöst sind. Rheinland-Pfalz' Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat nun Bundeskanzler Friedrich Merz aufgefordert, in der Energiepolitik und bei Lieferkettenstörungen, die Schlüsselsektoren wie Chemie und Bau bedrohen, entschlossener zu handeln.

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Zwischen März 2025 und März 2026 sanken die Industriestrompreise für Neukunden von etwa 35 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) auf 25,7 ct/kWh. Auch die Großhandelspreise gingen zurück – von 92 Euro pro Megawattstunde (€/MWh) im März 2025 auf 65 €/MWh bis Juni 2025. Die Bundesregierung reagierte mit der Einführung eines subventionierten Strommodells für die Jahre 2026 bis 2028, das die Kosten für bis zur Hälfte des Jahresverbrauchs (über 1 Gigawattstunde/Jahr) für 91 energieintensive Branchen, darunter die Chemieindustrie, auf 5 ct/kWh deckelt. Ein zusätzlicher Steuererlass von 2 ct/kWh senkt den Preis für Produktionsstrom weiter auf effektiv 3 ct/kWh.

Trotz dieser Maßnahmen kritisierte Schweitzer die zögerliche Umsetzung des Chemie-Dialogs, einer Initiative, die Deutschland als führenden europäischen Standort für Chemie, Pharmazie und Biotechnologie etablieren soll. In einem Schreiben an Kanzler Merz forderte er mehr Tempo und verwies darauf, dass Verzögerungen – selbst bei längst beschlossenen Maßnahmen wie den Industriestrompreisen – das Vertrauen untergraben. Seine Kritik richtete sich auch gegen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, der er vorwarf, zu spät auf die explodierenden Spritpreise reagiert zu haben, wodurch Pendler und kleine Unternehmen übermäßigen Kosten ausgesetzt seien.

Neben der Energiefrage wiesen Branchenvertreter auf schwere Lieferkettenstörungen hin, die durch den Iran-Konflikt verursacht werden. Besonders die Bauwirtschaft kämpft mit stark gestiegenen Rohstoffkosten, was die ohnehin schon durch wirtschaftliche Unsicherheiten belasteten Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt.

Der Rückgang der Strompreise bringt zwar eine gewisse Entlastung, doch Schweitzers Appelle unterstreichen die größeren Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Angesichts anhaltender Lieferkettenprobleme und steigender Materialkosten werden die nächsten Schritte der Regierung zu Energiesubventionen und branchenspezifischer Unterstützung genau beobachtet. Ob es gelingt, Schlüsselsektoren zu stabilisieren, könnte vom Erfolg des Chemie-Dialogs und verwandter Maßnahmen in den kommenden Jahren abhängen.

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