UniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – und löst Machtkampf im Finanzsektor aus
Reingard FaustUniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – und löst Machtkampf im Finanzsektor aus
UniCredit startet 35-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Commerzbank und sorgt für Bewegung im deutschen Finanzsektor
Die italienische Großbank UniCredit hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 35 Milliarden Euro für die Commerzbank vorgelegt – ein Schritt, der die deutsche Finanzbranche in Aufruhr versetzt. Das Angebot bewertet jede Commerzbank-Aktie mit 30,80 Euro, was einem Aufschlag von 4 Prozent auf den letzten Schlusskurs entspricht. Beobachter werten den Vorstoß als strategischen Schachzug der UniCredit-Führung, um Verhandlungen zu erzwingen.
Das Angebot der Mailänder Bank wurde am Montag bekanntgegeben und trieb den DAX um 0,53 Prozent nach oben. Den Plänen zufolge würden Commerzbank-Aktionäre für jede gehaltene Aktie 0,485 neue UniCredit-Anteile erhalten. Die formelle Offerte soll im Mai folgen, während Anleger die wichtige Unterstützungsmarke des DAX bei 22.900 Punkten genau im Blick behalten.
UniCredit hatte bereits im September 2024 einen Anteil von 9 Prozent an der Commerzbank erworben, doch die Bundesregierung lehnt die Übernahme von Anfang an ab. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte erneut die Haltung der Regierung und pochte auf eine "starke und unabhängige Commerzbank". Mit einer Beteiligung von 12 Prozent weigert sich der Staat trotz wiederholter Vorstöße UniCredits bis März 2026, seine Anteile zu veräußern.
Widerstand kommt jedoch nicht nur aus der Politik: Die Gewerkschaft Verdi sowie der Betriebsrat der Commerzbank verurteilten das Übernahmeangebot scharf. Unterdessen belasteten sinkende Ölpreise zyklische Werte und Reiseunternehmen wie Lufthansa und TUI, die an Wert verloren. Bayer und Siemens Energy verzeichneten hingegen Kursgewinne dank positiver Nachrichten.
Aktuell notiert der DAX 4,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 24.698 Punkten. Analysten zufolge wäre für eine nachhaltige Erholung die Rückeroberung der 24.000-Punkte-Marke entscheidend. Die weiteren Bewegungen des Index dürften stark von den Reaktionen der Commerzbank-Führung und der Aktionäre abhängen.
Das Angebot setzt Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp unter Zugzwang, während die Bundesregierung an ihrer ablehnenden Haltung festhält. Sollte die Übernahme gelingen, würde sie die deutsche Bankenlandschaft grundlegend verändern. Bis dahin wartet der Markt gespannt auf die Entwicklungen im Mai.