07 May 2026, 12:18

Wie die DDR das jüdische Erbe Halberstadts und Langenstein-Zwieberges verdrängte

Metallplatte an einer Gebäudewand mit hebräischer Schrift, wahrscheinlich ein Denkmal für jüdische Gemeindeglieder, die dienten.

Wie die DDR das jüdische Erbe Halberstadts und Langenstein-Zwieberges verdrängte

Die jüdische Gemeinde Halberstadts blühte einst als Zentrum des Neo-Orthodoxen Judentums auf. Zwischen 1938 und 1942 wurde sie systematisch zerstört. Jahrzehnte später gerät die Art und Weise, wie die DDR mit dieser Geschichte umging – ebenso wie mit dem Erbe des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge – in den Fokus eines neuen Buches des Historikers Philipp Graf.

Der Beginn der Zerstörung datiert auf das Jahr 1938, als die Synagoge Halberstadts abgerissen wurde. Laut Martin Gabriel markierte dieses Ereignis den Auftakt für den Niedergang der Stadt. Bis 1942 war die jüdische Gemeinde vollständig vernichtet. Nach dem Krieg wurden jüdische Betriebe von Nicht-Juden übernommen, und der letzte bekannte jüdische Überlebende wurde 1961 beigesetzt.

1949 wurde am Standort des ehemaligen Lagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt ein Mahnmal enthüllt, das an die Opfer der Zwangsarbeit erinnern sollte. Doch seine Bedeutung verschob sich im Laufe der Zeit. 1969 wurde die Stätte als Ort für Treuegelöbnisse umgestaltet – direkt über den Gräbern der Häftlinge. In den 1970er-Jahren wurden die Tunnelsysteme des Lagers als militärisches Lager für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet.

Trotz der Auslöschung jüdischer Kultur entstanden vereinzelt künstlerische und literarische Werke. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati zog 1952 nach Ost-Berlin und nahm dort drei Schallplatten auf. Auch Romane von Peter Edel und Jurek Becker wurden in der DDR veröffentlicht, doch eine offizielle Anerkennung jüdischen Erbes blieb aus. In seinem Buch „Verweigerte Erinnerung“ untersucht Philipp Graf diesen Widerspruch und argumentiert, dass die antifaschistische Politik der DDR das jüdische Erbe Halberstadts weder bewahrte noch würdigte.

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Grafs Forschung zeigt eine bewusste Lücke in der historischen Erzählung der DDR auf. Das Mahnmal in Langenstein-Zwieberge, einst ein Ort des Gedenkens, wurde zum Instrument staatlicher Ideologie. Gleichzeitig standen die wenigen kulturellen Beiträge jüdischer Künstler und Schriftsteller in krassem Gegensatz zum offiziellen Schweigen über ihr Erbe.

Quelle