Wie Kieler Werfttradition und Seemannslieder ein Leben prägten
Michael Krieg verbrachte seine frühen Jahre geprägt von den Bildern und Klängen der Kieler Werfttradition. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr lebte er in der Nähe der inzwischen geschlossenen Howaldtswerke-Werft, wo einst Schiffe zu Wasser gelassen wurden und in den Kieler Förde glitten. Die vor Anker liegenden Marineschiffe und die täglichen Stapelläufe hinterließen bei ihm einen bleibenden Eindruck.
Seine Kindheit war auch von Musik erfüllt – sowohl in Kirchenchören als auch durch die Seemannslieder von Hans Albers, einem Familienliebling. Als Krieg aufwuchs, hörte er oft die tiefe Stimme eines Bassisten in seinem Kirchenchor. Dieser gleiche Mann sang auch im Lotsen-Gesangverein, einem 1929 gegründeten Lotsenchor, dessen maritime Lieder die Seefahrertradition Kiels widerspiegelten.
Zu Hause war Hans Albers – wegen seiner blonden Haare schlicht "der blonde Hans" genannt – eine ständige Präsenz. Der Schauspieler und Sänger, berühmt für seine Rolle in Große Freiheit Nr. 7, begleitete die Familie Krieg häufig auf Ausflügen und füllte sie mit seinen Shanties. In dem Film von 1944 spielte Albers den Seemann Hannes Kröger, der sich nach dem weiten Meer sehnt. Eine der unvergesslichsten Szenen zeigt ihn, wie er La Paloma an Bord der Padua singt – dem letzten großen Segelschiff der Hamburger Flying P-Liner.
Die Padua, heute als russisches Schulschiff Krusenstern bekannt, ist die einzige noch erhaltene Viermastbark aus jener Zeit. Kriegs eigene Verbindung zur See ging über die Musik hinaus. Später entwickelte er eine romantische Faszination für das Seefahrerleben und sang oft Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay, wenn er Freunde auf Hochseeschiffen besuchte.
Kriegs Kindheit verband das Kieler Werfterbe mit den Liedern von Seefahrern wie Albers. Die Padua und die Chöre seiner Jugend knüpften ihn an eine maritime Welt, die bis heute nachwirkt. Seine Erinnerungen spiegeln eine Zeit wider, in der die Häfen der Stadt und ihre Melodien den Alltag prägten.






